Ökologie: Wenn der Acker Streifen trägt

Stefan Kiefer macht das Gegenteil dessen, was man von ihm erwartet. Einerseits arbeitet er bei Amazone, einer deutschen Landmaschinen-Firma, die Bauern weltweit mit Düngerstreuern ausstattet. Andererseits entwickelt Kiefer derzeit ein Modell, mit dem Bauern künftig 20 Prozent Dünger und 50 Prozent Pflanzenschutzmittel einsparen sollen. Seine Idee soll die Vorteile von Öko- und konventioneller Landwirtschaft verbinden: sowohl hohe Erträge als auch Lebensraum für Bienen, Marienkäfer und andere Insekten.

Von oben gesehen erinnert Kiefers Plan an den gestreiften Rasen eines Fußballstadions. Auf bewirtschafteten Feldern sollen künftig verschiedene Pflanzensorten in schmalen Streifen nebeneinander wachsen: hier Kulturpflanzen, da blühende Wiese. Auf dem einen Streifen könnte zum Beispiel Weizen stehen, auf dem nächsten Klee, immer abwechselnd. Dabei, so Kiefers Vision, würde der Weizen von seinem Nachbarn profitieren. Der niedrige Klee soll den Ähren mehr Licht verschaffen als in einem klassischen Weizenfeld und den Boden mit Stickstoff anreichern. Als Folge davon soll der Weizen besser wachsen, zugleich böte der Kleestreifen mehr Lebensraum für Kleintiere und Insekten, die es auf den herkömmlichen Monokulturen schwer haben.

Die Idee mit den Streifen ist an sich nicht neu. Schon eine alte Bauernregel besagt, dass es Schädlinge abhält, wenn man Karotten neben Zwiebeln pflanzt. Die Karottenfliege mag den Geruch der Zwiebel nicht, und die Zwiebelfliege mag den Geruch der Karotte nicht. Kiefer verlässt sich nicht nur auf solche natürlichen Effekte, er entwickelt zugleich eine neue Feldmaschine: Wo der Weizen wächst, soll sie vorher Unkraut hacken, später dann Dünger und Insektizide spritzen. Wo der Klee wächst, soll die Maschine all das sein lassen. Dank Satellitenortung und hochmoderner Steuerungstechnik soll sie nicht durcheinanderkommen und immer die richtige Reihe treffen.

Die ersten Feldversuche sind fürs kommende Jahr geplant. Auch einen Namen für die alt-neue Methode gibt es schon: "Controlled Row Farming" soll sie heißen. Offen bleibt, ob die Landwirte sich wirklich darauf einlassen. Sie müssten ja einen Teil ihrer Felder aufgeben, um blühende Wiese darauf zu pflanzen. Stefan Kiefer schätzt, dass die Ernteeinbußen nur bei fünf bis zehn Prozent lägen. Gleichzeitig würden aber auch die Kosten für Dünger und Pflanzenschutzmittel sinken. Eine genaue Bilanz soll in zehn Jahren stehen. Vielleicht fahren wir dann künftig durch bunt gestreifte Felder.
Julia Huber