Die richtige Form der Auseinandersetzung mit der AfD ist noch nicht gefunden und ist auch nicht leicht zu finden mit Politikern einer Partei, die nach dem Prinzip der Springprozession auf zwei aggressive Ausfallschritte vorwärts stets einen beschwichtigenden Rückschritt folgen lässt. Wer indes die öffentliche Debatte riskieren will – in der Hoffnung, die Bewegung in ihrer rechtsradikalen Tendenz doch eindeutig zu entlarven –, sollte sich zumindest nicht leichtfertig selbst ins Unrecht setzen. Auf keinen Fall darf die Republik, die sich in einer solchen Debatte ihren erklärten Feinden stellt, in irgendeiner Weise unfair, weniger human und gerecht erscheinen, als sie ist.

Das gescheiterte ZDF-Interview mit dem thüringischen AfD-Landeschef Björn Höcke, das nun für lange Zeit im Internet zu sehen sein wird, einschließlich des hilflosen Abbruchs durch den AfD-Mann, der um Fassung rang, war aber genau dies – unfair und alles andere als ein Interview, in Wahrheit eine Inquisition, mit künstlich beschafften Mitteln zur Verwicklung des Angeklagten in Widersprüche. Was sollte Höcke auch zu den Äußerungen seiner Parteifreunde sagen, die nicht zu entscheiden wussten, ob die ihnen präsentierten Höcke-Zitate von ihm selbst oder aus Hitlers Mein Kampf stammten? Sollte er sagen: Stimmt, kann man leicht verwechseln?

Und was hätte man überhaupt von den zufällig und überfallartig befragten AfD-Leuten erwarten dürfen? Eine ideologiekritisch zerknirschte Sprachanalyse – oder gar freudiges Wiedererkennen? Wahrscheinlich hat heute kaum jemand noch, auch nicht in der AfD, das monströse Buch gelesen oder gar dessen Stil im Ohr, man möchte sagen: Gott sei Dank nicht. Im Übrigen hätte man auch keine Hitler-Parallele bemühen müssen, um die fatale Tendenz in den Höcke-Zitaten herauszupräparieren. Man hätte sie geduldig, Wort für Wort, schulmäßig durchnehmen können, und das wäre auch die faire Form für ein Interview gewesen. Herr Höcke, wie haben Sie das gemeint? Was wollten Sie hiermit und damit sagen?

Es ist ein Unglück, dass stattdessen die überfallartige Konfrontation mit scheinhaften Beweisstücken gewählt wurde, die noch dazu auf eine Weise gewonnen wurden, die eher kabarettwürdig war als journalistisch seriös. Die Neigung zu boshaftem Kabarett und denunziatorischem Überfall ist gerade eines der demagogischen Mittel der AfD. Man wird die Partei nicht bloßstellen und schon gar nicht entzaubern, wenn man sie kopiert. Sachlichkeit und Gelassenheit sind die Mindestvoraussetzung für eine öffentliche Debatte – und nicht zuletzt der menschliche Respekt, der jedermann zukommt, auch jenen, die man politisch für gefährlich hält.