Papst zu sein ist der Job, den früher alle wollten und heute niemand will. Die zuletzt in das berühmteste Amt der Welt gewählten Männer jedenfalls, so verschieden ihre Charaktere sind und so gegensätzlich sie als Kardinäle agierten, verhielten sich nach ihrer Wahl gleichermaßen melodramatisch. Beinahe, als habe man über sie ein Todesurteil verhängt.

Ein "Fallbeil", das auf ihn herabkam, so beschrieb Joseph Ratzinger seinen Sieg im Konklave, vergeblich habe er zu Gott gebetet: "Bitte tu mir das nicht an!" Jorge Mario Bergoglio dagegen saß nach der letzten Stimmenauszählung still in der Sixtinischen Kapelle, fast ein wenig verwirrt darüber, 90 von 115 Stimmen erhalten zu haben. Auf die Frage, ob er die kanonische Wahl zum Papst annehme, antwortete er: "Ich bin ein Sünder, doch ich vertraue auf die unendliche Barmherzigkeit und Geduld unseres Herrn Jesus Christus."

Dass das keine Floskel war, auch kein Sündenstolz eines in machtvollen Kirchenämtern abgehärteten Mannes, sondern dass dieses bange und doch beherzte Ja zur Macht von einem ehemaligen Slumpriester kam, der sich der eigenen Fehler bewusst war, zumal er einige schmerzlich bereute – davon unter anderem handelt das neue Buch von Anthony McCarten: Die zwei Päpste.

Papst zu sein ist der Job, den niemand will, heißt es am Ende. Denn die Freiheit der modernen Gesellschaft bedeutet, dass sich viele Katholiken in einer historisch beispiellosen Lage befinden: Sie erlauben sich, ihrer Kirche gegenüber kritisch zu sein. Sie wollen nicht nur eine bessere Kirche, sie brauchen sie auch. Mit den Worten von Anthony McCarten: "Eine größere Glaubensprüfung hat es in der gesamten Moderne nicht gegeben, ja, so könnte man argumentieren, in der gesamten Geschichte der Kirche noch nicht."

Der Bestsellerautor aus Neuseeland, der bislang vor allem mit Drehbüchern und Romanen hervortrat, hat nun ein fulminantes Sachbuch geschrieben. Es ist ein wahres Drama, das zwei Heilige Väter bei ihrem Versuch zeigt, die rasant sich verändernde Kirche zusammenzuhalten. Es ist das Doppelporträt eines ungleichen Paares: zweier älterer Herren, die noch als Kardinäle mehrere vergebliche Rücktrittsgesuche einreichten, weil sie partout nicht Papst werden wollten, um es auf je eigene machtvolle Weise dann doch zu sein. Gemeinsam – wie sie stets beteuert haben. Gegeneinander – was sie abstreiten, obwohl es so ist. Denn der nachdenkliche, zögernde Deutsche und der zupackende, voranstürmende Argentinier sind ein klassisches Gegensatzpaar: theologisch, machtpolitisch, menschlich.

Um das plastisch zu zeigen, hat McCarten für seine Zwei Päpste all die Details gesammelt, die man über Ratzinger und Bergoglio heute wissen kann. Die geheimen Triumphe und die öffentlichen Pannen, die sprichwörtlich gewordenen Sätze und die kleinen Szenen, die auch ständige Vatikanberichterstatter noch nicht kennen.

An eine legendäre Begebenheit mögen sich viele Leser erinnern: wie Bergoglio sich nach der Wahl weigerte, im vollen Papstornat auf der Benediktionsloggia des Petersdoms zu erscheinen, mit der Begründung, "der Karneval" sei vorbei. Doch Anthony McCarten erzählt dazu auch eine unbekannte Episode, die den Affront des frisch gewählten argentinischen Papstes gegen die Zeremonienmeister des Vatikans erst verständlich macht: wie Bergoglio, als er zum Erzbischof von Buenos Aires bestimmt worden war, die Kostenvoranschläge für seine offiziellen Gewänder präsentiert bekam – und nach dem ersten Schreck verfügte, die Umhänge seines Vorgängers für ihn ändern zu lassen. Das eingesparte Geld verwende man besser für die Armen.