Kannst du knicken!, heißt es, wenn ein allzu ambitionierter Plan wirkt, als würde nichts daraus. In diesem übertragenen Sinne – und auch wenn man das Knicken ganz wörtlich nimmt – lehren uns zwei neue Smartphones etwas Grundsätzliches über die Nimmerzufriedenheit des Menschen mit den elektronischen Rechtecken, in die er unentwegt hineinstarrt.

Früher konnten Computermonitore 320 mal 240 klobige Quadrate darstellen. Heute finden auf einem Rechteck vom selben Seitenverhältnis 100-mal so viele winzige Bildpunkte Platz. Dass diese Pixel schneller schalten, brillanter leuchten – geschenkt! Lange zufrieden sind die Betrachter damit nie. Immer immer mehr, schon diesem Verlangen konnte bislang keine Auflösung auf Dauer gerecht werden. Und zusätzlich erwartetet der Anwender immer immer mehr Funktionen.

Die klobigen Bildröhren sollten flacher werden, voilà: Flüssigkristall-Flachbildschirm. Diese sollten tragbar werden, voilà: Laptop- und Handydisplay. Ihre Anzeigeflächen sollten zudem Eingaben entgegennehmen, voilà: Touchscreen. Und das alles natürlich mit immer mehr, immer enger gepackten Pixeln, voilà: die kaum millimeterdicken Alltagswunderwerke von heute. Sie überlisten gar die menschliche Retina, so sehr sind ihre Bildpunkte geschrumpft, man nimmt sie gar nicht mehr als einzelne Pixel wahr.

Aber, der Konsument ist nimmerzufrieden! Wäre es nicht noch toller, so ein Bildschirmrechteck könnte über die Dimensionen seines Geräts hinauswachsen? Diesen ebenso maßlosen wie hartnäckigen Wunsch sollen faltbare Displays erfüllen, die im Inneren von Geräten stecken, welche sich aufklappen lassen und damit ihre Anzeigefläche verdoppeln. So origamihaft elegant das klingt, so mühsam mechanisch ist die Konsequenz: Dem hauchdünnen Sandwich aus Schutz-, Anzeige- und Eingabe-Schicht wird abverlangt, auch noch als Scharnier zu fungieren.

Fold (falten) heißt das Smartphone, das dies als Erstes können sollte. 2019 werde das Jahr der Faltphones, hatte es im Januar geheißen. Doch dann im Frühling die Blamage für den Hersteller Samsung: Erste Testgeräte zeigten binnen Tagen Knicke, Risse, Pixelschäden entlang der Falz. Was faltbar sein sollte, konnte man knicken! Der Marktstart wurde von Mai auf unbestimmte Zeit verschoben. Plötzlich sah es so aus, als könne Konkurrent Huawei mit seinem ersten Faltphone, dem Mate X, im Herbst debütieren. Doch auch hier: Verzögerung. Inzwischen hat Samsung auf der Berliner Ifa überarbeitete Geräte mit stabileren Displays präsentiert, Huawei die seinen für "bald" in Aussicht gestellt.

Ob es jetzt doch noch das Jahr der Faltdisplays wird? Die Pointe dieser Eskalation der Bildschirm-Evolution steht jedenfalls schon fest: Ausgerechnet die Mechanik ist den Digitalmaschinen zur Schwachstelle geworden.

Galaxy Fold von Samsung, ab 18. September, voraussichtlich rund 2.100 € / Mate X von Huawei, ab Herbst, voraussichtlich rund 2.300 €