Die Menschen standen in langen Schlangen an, um dieses Kunstwerk zu benutzen. Eine neue Form von Erhabenheit ließ sich hier erfahren, auf einem Klo, das der Künstler Maurizio Cattelan 2016 im New Yorker Guggenheim Museum installiert hatte. Einmal im Leben auf pures Gold wortwörtlich scheißen zu dürfen, diese Gelegenheit wollten sich 100.000 Besucher bis zum Ende der Ausstellung 2017 nicht entgehen lassen. Cattelans 18-karätiges Goldklo mit dem Titel America war selbstverständlich anspielungsreich, schließlich gilt ein 1917 in New York von Marcel Duchamp ausgestelltes Urinal als Wegmarke der Avantgardekunst.

Jetzt ist das Goldklo gestohlen worden, kurz vor der Eröffnung einer Cattelan-Ausstellung im englischen Schloss Blenheim bei Oxford. Die Diebe kamen vergangenen Samstagmorgen und rissen das gute Stück ohne Klempner-Kenntnisse heraus. Das Anwesen gehört der Familie Winston Churchills, der Premierminister wurde in einem Raum gleich neben dem Goldklo geboren.

Zurück blieben von der Kunst nur ein goldenes Wasserrohr mit dem Spülhebel und ein ordentlicher Wasserschaden. Die Täter seien wahrscheinlich mit zwei Fahrzeugen gekommen, so die Polizei, man habe einen 66-jährigen Verdächtigen festgenommen, der inzwischen auf Kaution wieder freigelassen worden sei.

"Es sind schon viele meiner Werke beschädigt worden, aber ich musste noch nie einen solchen Verlust erleben", sagte Cattelan der ZEIT. Er habe selbst zuerst an einen Streich gedacht: "Sind die Diebe dieses Werks die wahren Künstler? Von der Geschwindigkeit her, mit der sie den Bruch begangen haben, sind sie auf jeden Fall große Performer."

Das Klo, das der Galerie Marian Goodman in New York gehört, ist sehr viel mehr wert als die gut vier Millionen Euro Gold, aus dem es gemacht ist. Die Produktion war ein hochkomplexes und teures Unterfangen. Manche Altmeister-Gemälde auf Schloss Blenheim haben womöglich einen höheren Marktwert als America, doch kann man berühmte Unikate nur schwer so anonym und schnell zu Geld machen wie einen Klumpen geschmolzenes Gold.

Maurizio Cattelan hofft nun sehr, dass seinem America das Einschmelzen erspart bleibe. Wenn es nicht mehr auftauche, müsse er über eine zweite Auflage von America nachdenken. Der letzte Nutzer des Klos sei übrigens er selbst gewesen. Aber für die Tatzeit, sagt er, habe er ein Alibi.