Lompscher: Welche Ihrer Neubaupläne sind durch den Mietendeckel denn ganz konkret gefährdet?

Abraham: Wir könnten auf einem Grundstück im Berliner Süden 400 Wohnungen bauen. Das habe ich zurückgestellt, weil ich das unter diesen Bedingungen nicht mehr anschieben kann.

Lompscher: Aber wir haben Neubauten doch explizit herausgenommen aus dem Mietendeckel. Ich verstehe nicht, wieso sich das für Sie nicht lohnen soll. Man kalkuliert so ein Projekt doch für sich.

Abraham: Ja, aber nochmal: Für einen Neubau muss ich einen Kredit aufnehmen, und für den Kredit benötige ich Eigenkapital. Und das wird weniger unter dem Mietendeckel. Frau Lompscher, so vergraulen Sie Investoren!

Lompscher: Manche Investoren vergraule ich gern. Zum Beispiel diejenigen, die in Berlin nur mit dem kurzfristigen Kauf und Verkauf von bestehenden Wohnungen Geld verdienen wollen. Die brauchen wir hier nicht. Die schaffen übrigens auch keinen neuen Wohnraum. Wenn das kein Geschäftsmodell mehr ist, könnte auch mehr Geld in den Neubau fließen. Die Geldgeber werden schon nicht alle abwandern. Berlin ist doch eine tolle Stadt.

ZEIT: Wieviel Wohnungen fehlen eigentlich nach Ihren Berechnungen in Berlin?

Lompscher: Um das Defizit abzubauen und den Bedarf zu decken bräuchten wir 194.000 neue Wohnungen bis zum Jahr 2030.

ZEIT: Wenn wir uns in fünf Jahren, nach Ablauf des Mietendeckels, hier wiedertreffen: Was glauben Sie, wie viele Wohnungen mehr gibt es dann in Berlin?

Abraham: Es werden mehr Wohnungen sein, aber bei Weitem nicht so viele, wie wir bräuchten.

Lompscher: Ich bin zuversichtlich, dass es uns weiterhin gelingt etwa 17.000 Wohnungen im Jahr zu bauen. 20.000 wären notwendig, das schaffen wir noch nicht ganz. Deshalb werden wir zwischen 80.000 und 90.000 Wohnungen mehr haben.

ZEIT: Bis dahin gilt der Mietendeckel – und der sieht eine besonders einschneidende Regelung vor: Mieter können künftig auf Antrag ihre Miete senken lassen – wenn die 30 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens übersteigt. Das muss in jedem Einzelfall eine Berliner Behörde genehmigen.

Abraham: Die Bezirksämter, die das übernehmen sollen, sind auf so viel neue Bürokratie gar nicht vorbereitet. Dort gibt es heute schon lange Wartezeiten.

Lompscher: Jetzt warten Sie doch erst mal ab. Wir haben eine Vorbereitungsgruppe gebildet, die sich darum kümmert. Wenn die Ämter mehr Arbeit bekommen, sorgen wir auch für mehr Mitarbeiter.

Abraham: Es wäre besser, Sie würden mit dem Personal endlich die Mietpreisbremse durchsetzen. Stattdessen geht viel Geld und Energie dafür drauf, dass man sich durch umständliche Einkommensprüfungen kämpft. Das ist Planwirtschaft.

Lompscher: Noch mal: die Mietpreisbremse kann nur zivilrechtlich durchgesetzt werden. Wenn wir keine Einkommensprüfung vorgeschlagen hätten, würden Sie sagen: Wir entlasten vor allem die Reichen. Wir haben uns entschlossen, dass die Lage einer Wohnung bei dem Deckel keine Rolle spielt. Es ist also egal, ob man im Prenzlauer Berg oder in Marzahn/Hellersdorf wohnt: Alle bekommen einen Mietenstopp. Damit das nicht ungerecht wird, berücksichtigen wir das Einkommen.