Niemand wird behaupten, Berlin habe zu wenige Museen. Niemand wird sagen, es müssten ganz dringend noch mehr Kunstwerke ausgestellt werden. Nur die Bundesregierung denkt so, allen voran die Kulturstaatsministerin Monika Grütters und ein paar Kuratoren, denen es verständlicherweise nie genug sein kann. Noch bevor sie das eine riesige Ausstellungshaus, das Humboldt Forum, eröffnet haben, planen sie schon das nächste Großmuseum, ein Haus für die Kunst des 20. Jahrhunderts. 450 Millionen Euro soll es maximal kosten, wurde am Montag bekannt. Dreimal mehr als ursprünglich gedacht.

Andernorts lassen sich für solche Summen gleich mehrere neue Museen bauen, aber wer weiß, vermutlich würde man die enorme Spendierwut kalt lächelnd hinnehmen, besäße das ganze Unterfangen einen irgendwie erkennbaren Tiefsinn. Doch gibt es weder einen großartigen Entwurf für die Architektur noch eine brennende Leitidee, es gibt nur den üblichen Wunsch nach mehr Wachstum und mehr Größe. Und natürlich gibt es selbst geschaffene Sachzwänge, die Grütters für so wichtig hält, dass schnöde Geldfragen zur Nebensache werden.

Kurz sei daran erinnert, dass vor nicht allzu langer Zeit ein dickes Gutachten des Bundesamts für Bauwesen und Raumordnung ein ganz anderes Vorgehen empfahl: Man solle doch ein leeres Grundstück hinter der Neuen Nationalgalerie nutzen, dort sei das Bauen viel billiger, und schneller ginge es auch. Alle Verantwortlichen begrüßten damals den Vorschlag, am Ende sogar Grütters. Dann jedoch machte sie auf dem Absatz kehrt und votierte für jenes Grundstück, auf dem das Museum nun für teuer Geld eingegraben werden muss und das Bauen schon wegen des sandigen Untergrunds zum Hochrisiko wird.

Weshalb die Kehrtwende? Vieles deutet darauf hin, dass es Sammler wie Heiner Pietzsch waren, die Grütters drängten, dem Museum einen möglichst prominenten Ort einzuräumen. Womöglich hätten sie andernfalls ihre Leihgaben zurückgezogen, da schien es opportun, den Rat des eigenen Bundesamts in den Wind zu schlagen.

Den Sammlern wird nun keiner vorwerfen wollen, dass sie sich möglichst schöne Räume wünschen. Doch was ist mit dem Publikum? In keiner anderen Kunsthauptstadt sind die Besucherzahlen so kläglich wie in Berlin, und daran ändert sich nichts, wenn man riesige Summen in Neubauten steckt, den Museen aber zugleich das Geld für ihre Arbeit streicht. Genau das jedoch macht der Bund: Er prasst bei der Architektur, spart bei Ausstellungen und wundert sich über den kargen Zuspruch.

Die Moderne war immer gegen falsche Pracht, sie mochte es provisorisch und wechselvoll, sie stellte alles infrage. Ein Museum der Moderne sollte es ebenso halten und ganz schnell noch einmal alles auf Anfang drehen.