Als ich das erste Mal mit einer orangefarbenen Sicherheitsweste vor einer Werbevitrine stand, war ich total aufgeregt. Das darf man sich aber nicht anmerken lassen und sich etwa hektisch oder ängstlich umgucken. Man muss mit großer Selbstverständlichkeit seinen Werkzeugkoffer öffnen, ein Werkzeug greifen, nach dem Schloss suchen und in aller Ruhe die leuchtende Kiste aufbrechen. Weil der Werbevitrinen-Markt zwischen den drei großen Firmen Wall, Stroer und JCDecaux oligopolartig aufgeteilt ist, sind auch die Schließmechanismen fast überall gleich: ein Rohsteckschlüssel neun Millimeter, Dreikantschlüssel M5 oder ein normaler Ikea-Sechskant funktionieren meistens.

Ich hatte ein Plakat dabei, das ich über eine Bierwerbung drüberrollte. Auf dem Poster hält eine Frau einen USB-Stick in die Kamera und guckt verschwörerisch. Darunter steht: "Wir sabotieren Werbung. Adblockers". Denn genau das hatte ich bei dieser Aktion zusammen mit anderen Aktivisten und Aktivistinnen der Künstlergruppe Peng! vor: die Werbebranche mit ihren eigenen Mitteln zu schlagen. Wir haben uns dafür monatelang in einer angemieteten Wohnung in Leipzig getroffen und überlegt, wie wir Werber und Werberinnen dazu bewegen könnten, ihre eigenen Kampagnen kaputtzumachen. Das klingt erst mal widersinnig, aber ich habe selbst in einer großen deutschen Agentur gearbeitet und weiß, wie viele dort frustriert sind von der Sinnlosigkeit ihrer Botschaften oder Methoden.

Wie kann man heute noch den Massenkonsum weiter antreiben, wo wir die Folgen doch bereits jetzt bemerken? Die Arten sterben, der Permafrost schmilzt, die Meere vermüllen. Hallo? Ist da jemand? Wie kann man heute noch Fahrradhelme mit Frauen in Unterwäsche bewerben oder Baumärkte mit haha-lustig-rassistischen Stereotypen von an Hemden schnüffelnden Asiatinnen promoten?

Also haben wir die Leaking-Plattform Adblockers programmiert, auf der Werbetreibende Bilder, Slogans, Videos und andere Informationen vor einem Kampagnenstart anonym hochladen können. Diese Inhalte geben wir an sogenannte Adbusting-Gruppen weiter, die bereits seit Jahren Werbung im öffentlichen Raum verfremden.

Adbusting ist ein ungleicher Kampf um die Ressource Aufmerksamkeit. Die Werbewirtschaft hat viel Geld und Zeit für ihre kreativen Ideen. Wir müssen innerhalb weniger Tage eine passende Antwort parat haben, Plakate drucken, Seiten programmieren und sie rausbringen. Darum suchen wir Kollaborateure aus der Werbebranche, die uns mit Material und Fähigkeiten helfen. Wir wollen eine größtmögliche Paranoia in den Agenturen. Vielleicht hilft das ja auch schon, damit sich etwas verändert.