Attacke auf Ölraffinerie - Saudi-Arabien hat angebliche Beweise Die saudi-arabische Regierung wirft dem Iran vor, für die Angriffe auf die Öl-Anlagen verantwortlich zu sein. Als Beweise dienen Trümmerteile von Raketen und Drohnen. © Foto: Reuters TV

Wenn man mit geringen Mitteln möglichst viel Schaden anrichten will, ist Abkaik dafür der richtige Ort. In der kleinen Wüstenstadt sechzig Kilometer vom Persischen Golf steht die wichtigste Ölfabrik Saudi-Arabiens. Aus dieser Region werden über fünf Prozent der weltweiten Ölproduktion geliefert, vor allem in die Megastädte Asiens. Und Öl treibt immer noch maßgeblich die Weltwirtschaft an. Deshalb sind moderne Abwehrraketen in der Nähe, der amerikanische Geheimdienst hat ebenfalls Vertreter vor Ort.

Abkaik ist wie eine Festung, die eigentlich als kaum einnehmbar gilt. Es sei denn, jemand fliegt Kampfdrohnen unter allen Radarschirmen hindurch und setzt die Ölfabrik in Brand. Das ist am Wochenende passiert – und die Folgen der Attacke halten die Welt in Atem. Die saudische Ölproduktion ist um die Hälfte eingebrochen, der Ölpreis zum Wochenbeginn um bis zu 20 Prozent in die Höhe geschossen. Droht also eine Ölkrise wie in den Siebzigerjahren, die die angeschlagene Weltwirtschaft in die Rezession abgleiten lässt – und die Arbeitslosigkeit auch in Deutschland nach oben treibt?

Viel hängt davon ab, wie es jetzt am Golf weitergeht. Die Verantwortung für den Anschlag hat die jemenitsche Volksgruppe der Huthis für sich reklamiert. Die Huthis werden vom Iran mit Technik für Raketen, Marschflugkörpern und eben Drohnen beliefert. Mit diesen Waffen beschießen sie regelmäßig saudische Städte und ihre Infrastruktur: Wasserentsalzungsanlagen, Wohnhäuser, Ölpipelines. Sie haben weite Teile des Nordjemen erobert und in einer Art Putsch den gewählten Präsidenten vertrieben. Der wiederum wird von den Saudis unterstützt, die einen brutalen Luftkrieg führen, bislang ohne ihren Gegner besiegen zu können.

Das macht die Sache ökonomisch so brisant: Der Konflikt ist im Kern ein Kampf um die Vormachtstellung in der Region. Die beiden Schwergewichte Iran und Saudi-Arabien tragen ihn unter sich aus – und er kann jederzeit eskalieren.

Der große Crash ist erst mal ausgeblieben. Zumindest an der Tankstelle

Westliche Aufklärungsdienste bezweifeln allerdings, dass die Huthis tatsächlich für den Anschlag verantwortlich sind. Das Argument: Abkaik liegt für einen Drohnenangriff zu weit von ihrem Territorium entfernt. Womöglich stecken andere vom Iran unterstütze Milizen dahinter, die ebenfalls in der Gegend operieren. Oder es waren die iranischen Revolutionsgarden selbst, die entlang der Küste des arabisch-persischen Golfs in Stellung liegen.

Dafür spricht: Die Attacke auf Abkaik ist der vorläufige Höhepunkt einer Serie von Angriffen auf die Ölversorgung der Welt. Bereits im Mai griffen Kampftruppen Öltanker in den Emiraten an. Im Juni folgten Angriffe auf europäische und japanische Schiffe sowie saudische Ölpipelines. Dann entführten die Iraner einen britischen Tanker. Und dann war da noch diese Militärübung Anfang des Jahres: Die Revolutionsgarden spielten durch, wie sie die Ölversorgung aus dem Golf komplett lahmlegen könnten.

Wenn die Lage sich in diese Richtung zuspitzt, wird die Sache auch für die deutsche Wirtschaft gefährlich. Deutschland verfügt bekanntlich über keine eigenen Ölquellen. Wenn die hiesigen Verbraucher mehr Geld für Benzin oder Heizöl ausgeben müssen, dann fließt dieses Geld fast vollständig in andere Länder ab. Im Ergebnis bleibt weniger für den Kauf heimischer Waren übrig. Das belastet die Konjunktur.