Im Volksmund führen bekanntlich alle Wege nach Rom, dem Katholizismus sei Dank, dem Sprachforscher die Herkunft des Sprichworts zuschreiben. Wie sollte es da ausgerechnet für den Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland anders sein? Frei nach dem Sprichwort jedenfalls reiste jüngst der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Reinhard Kardinal Marx, in die Ewige Stadt, um den Reformprozess von DBK und Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) vor Einwänden des Vatikans zu verteidigen. Am Montag konnte er dann Entwarnung geben: Der Papst habe "kein Stoppschild" gezückt, sagte er zu Beginn der Herbstvollversammlung der deutschen Bischöfe in Fulda. Wer die Römer veranlasst habe, die unfertigen Statuten überhaupt zu begutachten, "sollen die Historiker erforschen", so Marx nonchalant.

Der Vatikan scheint erst mal besänftigt zu sein. Doch damit ist der Synodale Weg, wie ihn sich Marx und die Seinen vorstellen, noch nicht gerettet. In Fulda warb der Kölner Erzbischof Rainer Maria Woelki erneut dafür, die "Konzentration auf Strukturfragen, aber auch den teilweise damit verbundenen Eindruck, es gehe damit zugleich um das Verändern von Glaubensinhalten, aufzubrechen".

Es war ein neuerliches Plädoyer für den "Primat der Evangelisierung". So überschrieben Woelki und der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer ihr gemeinsam vorgebrachtes Alternativstatut, das die Bischöfe im August bereits mit 21 zu drei Stimmen abgelehnt hatten (bei drei Enthaltungen, Christ&Welt berichtete).

Bei manchen Bischöfen hat das Statut durchaus Eindruck hinterlassen: "Die kirchenrechtlichen Implikationen waren deutlicher ausgedrückt", sagte der Görlitzer Bischof Wolfgang Ipolt Christ&Welt, wollte aber weder bestätigen noch dementieren, dass er der Dritte war, der für die inhaltlich entkernte Alternative stimmte. Auch er erwartet vom Synodalen Weg in erster Linie einen Aufschwung für die Evangelisierung. Dass damit aber im Grunde die Konservativen von den drängenden Reformthemen ablenken wollen, mag derweil auch Marx bewusst sein. Denn am Montag fragte er in die Runde: "Wie kann man evangelisieren, wenn man viel Glaubwürdigkeit verloren hat? Wir müssen die Glaubwürdigkeit wiedergewinnen, um zu evangelisieren."

"Wenn Sie so wollen, bin ich auch ein Konservativer", sagte derweil der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke frei heraus. Auch er macht gegenüber Christ&Welt deutlich, dass ihm der aktuelle Stand bislang zu vage sei. Deshalb hatte er Marx’ mehrheitlich beschlossenem Statut auch keine Stimme gegeben. "Wenn dann Bischöfe und Laien mehrheitlich für Segnungen von homosexuellen Partnerschaften stimmen, bringt das gar nichts, weil wir das in Deutschland gar nicht entscheiden können."

Kein Weg an Rom vorbei also? Deutsche Sonderwege will auch Marx nicht, aber "wir bringen ja auch etwas ein in die Weltkirche". Vielleicht ja die Anliegen der demonstrierenden Maria-2.0-Frauen, an denen vor dem Fuldaer Dom auch kein Weg vorbeiführte.

Völlig unabhängig von Rom sind derweil die Entschädigungszahlungen von einheitlich 10.000 Euro, die eine von der DBK initiierte Arbeitsgruppe als "Grund-Schmerzensgeld" für Missbrauchsgeschädigte empfiehlt. Ob das wie vorgeschlagen sogar 400.000 Euro im Einzelfall sein sollen, stand auch auf der Tagesordnung der Bischöfe in Fulda. Die Opfervereinigung "Eckiger Tisch" rechnet derweil schon mit 3000 Anträgen, sodass auf die Bischöfe eine Milliardensumme zukäme.