Die kirchliche Fachmesse und Ideenbörse "pastorale" in Magdeburg zeigte in diesen Tagen, was Christen als Minderheit in einem säkularisierten Umfeld bewirken können. Darin kann der Westen vom Osten noch etwas lernen. Die jahrzehntelange Verödung der Glaubensgesellschaft im Osten macht deutlich: Was einmal restlos zerstört ist, lässt sich nicht mehr restrukturieren.

Der Religionsphilosoph Eberhard Tiefensee gab in seiner Eröffnungsrede die Richtung vor: Um ein "Comeback der Kirche kann es nicht mehr gehen", sagte er, sondern um die "anderen". Die Vorstellung, dass der Kirche Menschen immer nur verlustig gehen, ist der falsche Ansatz in Gegenden, wo die wenigsten je dazugehörten.

Tiefensee forderte deshalb einen Wechsel der kirchlichen Sichtweise: "Mission ist Sendung und nicht Magnetismus." Religion sollte also nicht vorrangig ihre Bindungsfunktion im Auge haben, der Zugehörigkeitsdruck zu einer Gemeinde verschreckt Kirchenfremde. In rund 100 Workshops und Vorträgen wurden Erfolgsprojekte vorgestellt, die aus der Arbeit mit Menschen, die keinen Bezug zur Kirche haben, berichteten und neue Kooperationsmöglichkeiten ausloteten.

Was nun in den ostdeutschen katholischen Kirchen angedacht wird, ist gewissermaßen Pannenhilfe ohne ADAC-Mitgliedschaft.Themen wie "Trauerarbeit mit konfessionslosen Menschen" oder "Christliche Spiritualität in Freizeit und Tourismus" – wer das als zu niedrigschwellig empfindet oder gar als theologischen Räumungsverkauf verurteilt, verspielt die Perspektiven der Zukunft. In Magdeburg plädierte deshalb Tiefensee folgerichtig für eine "Ökumene der dritten Art zwischen Religiösen und Nichtreligiösen". "Letzteres nicht als mangelhaft oder defizitär zu betrachten", so zitiert das Kölner Domradio den Religionsphilosophen, darauf käme es jetzt in Zukunft vor allem an.

In zwei Tagen tauschten sich etwa 1300 Teilnehmer aus – Verbände, Einrichtungen und Initiativen aus allen neuen Bundesländern wirkten mit. Das war eine Art ostdeutscher Katholikentag, nur weniger binnenkirchlich, sondern auf gesellschaftlichen Schulterschluss ausgerichtet.

Was nun für die Kirche angedacht wird, ist eine Pannenhilfe ohne ADAC.

Eine wichtige Erkenntnis kam von der Erfurter Pastoraltheologin Maria Widl, die bei dieser Veranstaltung sagte: "Wir tun uns so schwer, über Glaubensinhalte verständlich zu sprechen, weil wir nie gelernt haben, christliche Werte weiterzudenken." Dabei fügte sie hinzu: Im Religionsunterricht und in Erstkommunion- und Firmvorbereitungen sei es lange Zeit nur darum gegangen, Glaubenswissen in Merksätzen auswendig zu lernen, "aber nicht darum, sich damit kritisch auseinanderzusetzen".

Einfacher und direkter als ein junger Konfirmand kann man die Situation der Kirche nicht ausdrücken. Ihn zitierte der neue mitteldeutsche Landesbischof Friedrich Kramer: "Die Oblate schmeckt, wie das Gesangbuch riecht." – "Da wusste ich", so Kramer, "unsere Kirche steckt wirklich in der Krise."

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