Akademische Podiumsdiskussionen sind oft schrecklich langweilig. Sechs Vorschläge, um das zu ändern

In den vergangenen Jahren habe ich an sehr vielen Podiumsdiskussionen teilgenommen und Hunderte als Zuhörer ertragen. Die meisten waren schrecklich langweilig.

Sie wissen, wovon ich spreche. Zuerst kommen die endlosen Vorstellungen. Dann halten fünf Redner Monologe von stetig zunehmender Länge. Danach reden in einem kurzen "Gespräch" alle aneinander vorbei, gefolgt von ein paar inkohärenten Schimpftiraden aus dem Publikum. Den höflichen Schlussapplaus erwarten alle so sehnsüchtig wie einst den Gong am letzten Schultag.

Das muss nicht sein. Gut geplante Podiumsdiskussionen können informativ und unterhaltsam sein. Wenn Sie jemals mit der Organisation einer Konferenz beauftragt werden, ist es daher Ihre berufliche Verantwortung – sogar Ihre hohe moralische Pflicht! –, das Publikum vor der üblichen Folter zu bewahren. Dafür genügt es, sechs einfache Regeln zu befolgen:

1. Höchstens drei Redner

Ja, die Marketing-Abteilung will unbedingt ihren Leiter mit auf der Bühne haben. Ja, die Sponsoren müssen irgendwann etwas sagen. Und, ja, es wäre schade, ausgerechnet den einzigen Redner zu opfern, der auch etwas zu sagen hat. Aber je mehr Leute auf dem Podium sitzen, desto schwerer ist es, ein echtes Gespräch zu führen. Wer mehr als drei Redner (plus Moderator) einlädt, der gibt von Anfang an alle Hoffnung auf ein lebhaftes Gespräch auf.

2. Kurze Vorstellungen

Nichts ist schlimmer als endlose Präambeln. Erst stellt der Vorsitzende den Organisator vor, dann dieser den Moderator. Der verliest schließlich den Lebenslauf jedes einzelnen Redners. Es geht auch einfacher. Der Moderator kann sich ruhig selbst vorstellen und die anderen Redner dann in höchstens zwanzig Sekunden pro Nase. Schließlich wissen die meisten Zuhörer bereits, wer auf der Bühne steht. Alle übrigen sollen ins Programm gucken oder googeln.

3. Keine Anfangsmonologe

"Sagen Sie doch ein paar einführende Worte, vielleicht so um die fünf Minuten?" Danach nimmt sich der erste Redner sieben Minuten, der zweite zehn Minuten, der dritte labert fünfzehn Minuten. Geht die erste Hälfte der Zeit fürs Monologisieren drauf, wird die zweite Hälfte kaum besser werden. Haben sich die Redner erst einmal in ihren Schützengräben eingenistet, begegnen sie sich fast nie auf gemeinsamem – oder umstrittenem – Terrain. Zum Glück ist die Abhilfe einfach: Steigen Sie direkt in die Diskussion ein.

4. Aktive Moderation

Als Moderator sind Sie der Anwalt des Publikums. Wenn ein Redner in Fachsimpelei abrutscht, dürfen Sie also nicht weise nicken, sondern müssen eine Erklärung einfordern. Wenn ein Redner vor sich her schwadroniert, dürfen Sie nicht mental abschalten, sondern müssen jemand anderem das Wort erteilen. Und wenn alle aneinander vorbeireden, dann können Sie sich nicht damit begnügen, den Auftakt für den nächsten Monolog zu liefern – sondern müssen wenigstens versuchen, ein echtes Gespräch loszutreten.

5. Spinnern das Wort entziehen

Sobald das Publikum mitreden darf, bringen sich jene in Stellung, die den Rest der Zeit für ihre eigenen Zwecke missbrauchen wollen. Verhindern Sie es, indem Sie eindeutige Regeln aufstellen, und zwar bevor das Publikum fragen darf. Sagen Sie, dass prägnante Fragen erwartet werden, keine Co-Referate. Stellen Sie klar, dass Sie Fragen, die länger als zwanzig Sekunden dauern, unterbrechen werden. Und tun Sie es!

6. Passende Gäste

Eine gute Podiumsdiskussion ist ein öffentliches Gespräch unter interessanten Menschen, die echte, relevante Meinungsverschiedenheiten austragen. Wählen Sie also ein Thema, für das sich Ihr Publikum wirklich interessiert. Suchen Sie Redner, die klar unterschiedliche Ansichten vertreten. Stellen Sie außerdem sicher, dass verschiedene Perspektiven und Hintergründe auf der Bühne vertreten sind.

Befolgen Sie diese sechs einfachen Ratschläge, sind Sie auf dem besten Weg zu einer spannenden Podiumsdiskussion. Ihr Publikum wird es Ihnen danken!