Der Chef kommt mit dem Tretroller. Christian Halper, Millionär und einst Investmentunternehmer, stellt das Gefährt in der Wiener Herrengasse ab, gleich neben seinem eigenen Lokal, dem veganen Venuss. Kurz zupft er seine blondierte Mähne zurecht, holt sich einen Linsenteller mit Kartoffelknödeln von der Selbstbedienungstheke und nimmt an einem schmalen Fenstertisch Platz. Vor ihm liegt nicht nur ein Mittagessen mit 500 Kalorien, sondern eine Geschäftsidee.

"Die Zukunft der Ernährung ist überwiegend fleischlos. Es geht gar nicht anders", sagt der 50-Jährige, während er seine Hülsenfrüchte auf die Gabel schiebt. Bei einer steigenden Weltbevölkerung und gleichzeitig notwendiger CO₂-Reduktion sei das der sinnvollste Weg. Jeder 15. Österreicher verzichtet mittlerweile auf Fleisch, und jeder fünfte lässt es bewusst zumindest mehrmals in der Woche weg. Halper selbst begann vor 20 Jahren, seinen Fleischkonsum erst zu reduzieren und verzichtete schließlich ganz darauf.

Damals reiste er noch um den Globus, als Manager und Mitbegründer von Superfund, einer millionenschweren Investmentfirma. "Nirgends habe ich ein vegetarisches Restaurant ganz nach meinem Geschmack gefunden. Darum habe ich einfach selbst eins aufgemacht", sagt Halper.

Ein geläuterter Großkapitalist, der jetzt mit seinem Vermögen Gutes tun will?

Begonnen hatte er 2011 mit dem vegetarischen Sternerestaurant Tian in Wien, dessen Konzept er nach München exportierte. Vergangenen Herbst eröffnete er Venuss, das kostengünstige Speisen anbietet. Daraus soll nun eine Kette werden, sagt Halper, der seit vergangenem Jahr vegan lebt.

Der frisch verheiratete Neo-Gastronom entspricht so gar nicht dem Klischee eines Börsianers. Er sticht viel mehr wie ein bunter Vogel ins Auge: Manchmal trägt er bunte Armreifen oder zeigt sich mit lackierten Fingernägel. Im Winter stapft er gerne in Stiefeln herum, die über die Knie reichen. "Warum die weibliche Seite immer ganz verstecken?", fragt er.

Seine Karriere scheint auf den ersten Blick wie sein Äußeres einem Märchen entsprungen: ein geläuterter Großkapitalist, der jetzt mit seinem Vermögen Gutes tun will. Doch so einfach ist das nicht.

"Ich bereue gar nichts", sagt er über seine Zeit bei Superfund. In Spekulationen sieht er nichts Verwerfliches. Derzeit investiert er etwa in Bitcoin SV, einer weniger bekannten Version der bekannten Kryptowährung.

"Geld gibt mir dafür die nötige Energie zum Investieren."
Christian Halper

Halper spricht leise, ist freundlich und zuvorkommend. In der Öffentlichkeit macht er sich rar. Auch früher, bei Superfund, war er der Mann im Hintergrund. Geschäftspartner Christian Baha, ein Ex-Polizist, war der Frontman, der in TV-Shows auftrat und Einblicke in sein Jetset-Leben gewährte.

Halper wuchs mit seiner alleinerziehenden Mutter und den Großeltern in Essling am Wiener Stadtrand auf. Als Teenager interessierte er sich für Computer. Sein Onkel, der als Makler an der Börse arbeitete, machte ihn auf Wertpapiere aufmerksam. Nach seinem Elektrotechnikstudium entwickelte Halper eine Software, die Börsendaten automatisch einliest und analysiert. Nicht die Meinungen von Volkswirten oder Analysten, sondern durch die Software generierte Preisdaten und Trends sollten zur Grundlage für Investments werden.

Auf Basis dieser Idee gründeten Halper und Baha 1995 den Hedgefondsanbieter Quadriga, der ab 2004 Superfund hieß. Zielgruppe: Privatanleger. Im Jahr 2011, vier Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise, ließ sich Halper von Baha auszahlen. Die genaue Summe ist nicht bekannt, es soll ein dreistelliger Millionenbetrag gewesen sein.

Ist Halper ein glattgebügelter Geschäftsmann, der mit fleischlosen Restaurants einfach noch mehr Geld verdienen möchte? Natürlich will er das. Aber hinter dem Engagement steckt ebenso eine Mission, die ihn antreibt. "Geld gibt mir dafür die nötige Energie zum Investieren", sagt er.