Da ist Cathérine, die immer ihre Tüte mit dem großen aufgedruckten Smiley an sich presst und mitten im Gespräch einschläft. Da ist Chantal, zahnlos und burschikos, die im Gefängnis gelernt hat, Elektrogeräte zu reparieren, aber keinen Job findet, weil sie jedes Bewerbungsgespräch damit beginnt, munter vom Mord an ihrem gewalttätigen Mann zu plaudern. Da sind Frauen, die in der Psychiatrie waren, die Schicksalsschläge aus der Bahn warfen und die sich seither so schämen, dass sie niemandem ihren Namen nennen wollen. "Lady Di", "Salma Hayek", "Brigitte Macron" schreiben sie deshalb auf die Zettel, die man im L’Envol, einer Tagesstätte für obdachlose Frauen in einem kleinen Städtchen in Nordfrankreich, abgeben muss, um morgens einen Klecks Duschgel, einen Streifen Zahnpasta und eine Steckdose zum Aufladen des Handys zu bekommen.