Auch in Bautzen wird in der pastoralen Seelsorge nach neuen Wegen gesucht, um Katholiken in entlegenen Gebieten zu erreichen. Mit einem Areal von 217 Quadratkilometern ist die Pfarrei die flächenmäßig größte im Bistum Dresden-Meißen. Zur Stadt zählen 89 Ortschaften. Für die knapp 4000 Katholiken außerhalb des Stadtzentrums ist diese Gegend absolute Diaspora. Wenn dort seit 2016 gelbe Kleintransporter über die Dorfstraßen fahren, ist das nicht mehr unbedingt die Post. Die kleinen gelben Busse sind "mobile Glaubenshelfer", die das Gemeindeleben auch in Gegenden mit schwacher kirchlicher Infrastruktur aufrechterhalten sollen. 600 Exemplare von ihnen sind seit 2016 bundesweit im Einsatz, "Boni-Busse" werden sie genannt.

Sie verrichten kirchliche Fahrdienste: Senioren werden zum Gottesdienst gebracht, ehrenamtliche Gemeindemitglieder bringen – so steht es in der Kirchenzeitung "Tag des Herrn" – "die Teilnehmer von 'religiösen Kinderwochen', den typischen ostdeutschen Ferienfreizeiten mit Glaubensunterweisung, ins Schwimmbad. Oder sie sorgen dafür, dass Schüler zum Religionsunterricht in die Kirchengemeinden kommen, wenn das Fach in der Schule nicht stattfinden kann."

Wo Ebbe herrscht, wird gerne von Leuchtturmprojekten gesprochen.

Einmal mehr ist es die strukturelle Misere, die den Glauben in Fahrt bringt, in einer Region, in der gerade einmal noch drei bis acht Prozent der Bevölkerung katholisch sind. Wo absolute Ebbe herrscht, wird groteskerweise immer gern von Leuchtturmprojekten gesprochen, das mag eine biblische Metaphorik sein: Den einsamen Menschenfischern in den Stürmen der Zeit soll ein heimeliges Licht den Weg weisen, dass sie sich nicht im Meer verlieren.

Das bekannteste Markenzeichen des Bonifatiuswerkes ist der "Pastoralbus" der Bautzener Domgemeinde, eine "Mischung aus Beichtstuhl und Tante-Emma-Laden auf Rädern". Wo es keinen Konsum mehr gibt, keine Kneipe und auch der Pfarrer nur noch zu besonderen Anlässen kommen kann, fährt Kerstin Schäfer täglich von 9 bis 14 Uhr zusammen mit dem Chauffeur Thomas Schubert im umgebauten Mercedes Sprinter von Dorf zu Dorf, fünfmal in der Woche, jeweils andere Strecken. 15 bis 20 Minuten weilen sie an einem Ort, wo sie im Bus an einem Tischchen Tee und Kaffee kostenlos anbieten und Zeit mitbringen zum Zuhören.

Ältere Menschen geben auch Lebensmittelbestellungen auf oder können sich aus einem kleinen Standardsortiment bedienen. Vom Sack Kartoffeln bis zur Trauerkarte mit Briefmarke gibt es alles zum Selbstkostenpreis. Auch können die Dorfbewohner Unterstützung beim Ausfüllen von behördlichen Anträgen erhalten.

Finanziert wird die ganze Aktion über Spenden, Kollekten und Erbschaften. Immer am dritten Sonntag im November ist der Diaspora-Sonntag – dieses Jahr fällt er auf den 17. November. Dann wird bundesweit für Aktionen des Bonifatiuswerks gesammelt, im vergangenen Jahr kamen mehr als 2,1 Millionen Euro zusammen. 15,1 Millionen flossen an Spendengeldern im vergangenen Jahr in 827 Projekte in Deutschland, Nordeuropa und im Baltikum. Diaspora heißt Zerstreuung. Vielleicht ist gerade sie die neue Sammelbewegung der Kirche.

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