Es ist ein bewölkter Mittag in Berlin-Kreuzberg, wir sind im Café Kotti verabredet. Man erkennt ihn schon von Weitem: Sonnenbrille auf der Nase, Zigarette im Mund, Handy am Ohr. Deniz Yücel nimmt die Sonnenbrille ab, setzt sich und sagt: "Dilek meint, mit der Sonnenbrille falle ich erst recht auf." Unter uns fahren Lastwagen durch die enge Adalbertstraße, immer wieder Hupen, ab und an Sirenen. Menschen vieler Nationalitäten wohnen hier, auch viele Türken. Nicht alle sind Deniz Yücel wohlgesinnt, viele nehmen ihn als Feind der AKP wahr. Während der "FreeDeniz"-Aktionen 2017 wurden immer wieder Demonstranten von Berliner Erdoğan-Anhängern beschimpft. Wir sind ehemalige Kollegen, deshalb duzen wir uns. Das Gespräch wird sieben Stunden dauern. Oder auch: eineinhalb Zigarettenpackungen lang.