Der viel zu jung verstorbene Influencer und Poptheoretiker Carl Jakob Haupt hat einmal bemerkt, dass Popmusik ausgerechnet deshalb ihre Bedeutung verloren habe, weil sie omnipräsent sei und überall verfügbar. Mode, war er überzeugt, spiele heute eine viel größere Rolle als Musik, denn: "Eine Jacke kann man besitzen, einen Popsong leider nicht mehr." Tatsächlich mussten sich unsere Großeltern noch jede Mark für die neue Schellackplatte der Beatles zusammensparen, die dadurch an ideellem Wert gewann. Popkonsum als Distinktionsmittel: Ich habe was, was du nicht hast. Heute aber, wo die Zehnerjahre des 21. Jahrhunderts zu Ende gehen, stellt eine überdrehte Kreativgesellschaft täglich neue Lieder, Songs und Tracks hektoliterweise ins Internet. Jeder kann dort mit nur einem Klick auf sie zugreifen, kostenlos oder gegen eine verschwindend geringe Gebühr. Geld gibt man nicht mehr für Akkorde und Beats aus, sondern lieber für kabellose Apple-Kopfhörer und teure Nike-Turnschuhe.