Wenn ein Schäfer einen Wolf in seine Herde einlädt, seine Lämmer zu bespielen, kann er sich auf etwas gefasst machen. Das gilt auch für geistliche Oberhirten. Der Dompropst zu Münster lud den Liederdichter Wolf Biermannn Anfang September zu einem Gesprächskonzert ein, moderiert von Michael Rutz, dem ehemaligen Chefredakteur des Rheinischen Merkur. Rutz organisiert schon seit Jahren in den Sommermonaten die hochkarätige Vortragsreihe "Domgedanken", wo prominente Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Kultur über Europa referieren.

Dass Biermann im Gotteshaus des Löwen von Münster, Bischof Clemens August Graf von Galen, den Raubtierrachen aufriss und nach rechts und links austeilte, dass die Fetzen flogen, war Veranstalterkalkül. Enfants terribles bei Kirchenveranstaltungen sind das Salz in der meist gewürzfreien Predigersuppe, die sonst so von der Kanzel dröhnt. Und immer lauert das Publikum darauf, wie es der Stargast mit Gott hält. Wolf Biermann, Sahra Wagenknecht, Gregor Gysi – von denen man es am wenigsten erwartet, die sprechen plötzlich von einer religiösen Musikalität, die sie an sich bemerkt haben. Der tatsächlich musikalische Biermann hat zwar nichts mit Religion am Hut, eines seiner Lieder schaffte es aber ins schwedische Kirchengesangbuch.

Am 6. Oktober sprach nun der TV-Entertainer Harald Schmidt in der Mannheimer Jesuitenkirche mit Pater Werner Holter über "Gott und die Welt". Bei solchen Gesprächen geht es bekanntlich um nichts weniger als um "alles oder nichts", und das in gemütlicher Atmosphäre. Von Schmidt weiß man, dass er Kirchenorgel in seiner schwäbischen Heimatstadt Nürtingen spielte, gerne als Ministrant zelebrierte und dem katholischen Glauben noch nicht abgeschworen hat. 700 Leute lauschten dem Dialog zweier alter Freunde, die auch schon in Köln so ein zwanzigminütiges Dialogreihen-Format durchführten.

Und immer lauert das Publikum darauf, wie es der Stargast mit Gott hält.

Flapsigen Fragen, ob Humor in der Kirche helfen könnte, erteilte der sonst so witzbeflissene Moderator mit einem Ernst, der einmal nicht gespielt zu sein schien, eine Abfuhr: "Das ist ein Luxusproblem", antwortete er, vielmehr müsse sich die Kirche um die "radikale Aufklärung" der Missbrauchsfälle kümmern. "Wenn das bewältigt ist, kann man über so etwas wie Humor nachdenken, dieses Thema macht alle anderen platt."

Harald Schmidt macht nie so, wie er soll. Maria 2.0 fand er ein bisschen anstrengend, für Frauen, die einen Dom umarmen, habe er nicht viel übrig. Am schlimmsten fände er aber, von gitarrespielenden "Schauspielerinnen" beim Sterben begleitet zu werden. In seiner Patientenverfügung werde er festhalten, dass die Gitarre "raus aus dem Zimmer" müsse: "Kein einziger Akkord" solle ertönen.

Wolf Biermann, der unlängst in Koblenz den Deutschen Gitarrenpreis erhielt, dürfte eine solche Ansage nicht gefallen.

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