Asterix und Obelix, die großen gallischen Helden, die gerade ihren 60. Geburtstag feiern, fürchteten stets nur eines: dass ihnen der Himmel auf den Kopf fällt. Es gibt keinen treffenderen Ausdruck für Kirchenangestellte im Krisenmodus, die sich sinnentleert und seelisch erschöpft fühlen.

Im Recollectio-Haus der Benediktinerabtei Münsterschwarzach unweit von Würzburg kann Mann sich seit 28 Jahren eine Auszeit nehmen und sich therapieren lassen. Die Nachfrage steigt, je weniger Kirchenpersonal es gibt. Zunehmend brechen Geistliche unter der erhöhten Arbeitsbelastung zusammen, auch die Frustration über die eigene Lebensform hat eher zugenommen. Viele, die einst mit brennendem Herzen den Glauben verkündeten und ihren Gemeindemitgliedern ein guter Seelsorger sein wollten, werden nun selbst aufgezehrt vom eigenen Burnout. Und dafür gibt es diese Einrichtung im Kloster, wo Menschen sich im Glauben und im Leben wieder neu orten können.

Im Recollectio-Haus gab es in diesen Tagen einen generationsbedingten Führungswechsel, der mehr sein dürfte als nur eine übliche Personalveränderung. Die Psychologin Corinna Paeth (44) ist seit dieser Woche die neue Leiterin und damit die erste Frau an der Spitze des Hauses. Ihr Vorgänger Ruthard Ott ging in den Ruhestand. Zwar arbeitet Paeth bereits seit drei Jahren in dieser Einrichtung. Am Konzept wird sich erst einmal wohl nichts revolutionär ändern.

Aber allein die Tatsache, dass nun das gesamte Psychotherapeutenteam aus Frauen besteht, hat schon etwas bewirkt. In einem Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) berichtete Paeth etwa von einer höheren Bereitschaft bei Ordensfrauen, schon im Vorgespräch über ihren erlebten sexuellen Missbrauch zu sprechen. Zwar überwiegen in der spirituellen Begleitung der Hilfesuchenden noch die Männer, aber so ein hoher Frauenanteil auf Augenhöhe ist selten. Dieses Zwei-Säulen-Modell, sagt Paeth, das von der Abtei und acht Diözesen mitgetragen wird, ist wohl einmalig in Deutschland.

In manchen Sitzungen werden schon einmal Symptome bearbeitet, die bei verdrängten Missbrauchserfahrungen zu Posttraumatischen Belastungsstörungen führten. Ob sich allerdings auch pädophile Täter in dieser Einrichtung behandeln lassen, darüber wird nichts vermeldet.

Durch den zunehmenden Mangel an Priesternachwuchs will sich die Abtei vom nächsten Jahr an noch mehr weltlichen Interessenten öffnen. In Sachen Glaubenstärkung für jedermann ist der Mönch Anselm Grün der wohl prominenteste Klosterbruder dort. Auch er ist eigentlich studierter Psychoanalytiker. Die Megaauflage seiner Bücher machten die Abtei über Jahre zum wohl wichtigsten Player im Bereich des monastischen Coachings. Nun werden die Frauen gestärkt. 

Anmerkung der Redaktion: Auf die Nachfrage von Christ & Welt stellte die Abtei klar, dass pädophile Täter dort keine therapeutische Hilfe erhalten und nicht aufgenommen werden.

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