Erhard Eppler (1926–2019) © Sebastian Gollnow/​Picture Alliance/​dpa

Erhard Eppler hört auf, wo er angefangen hat: in seinem Elternhaus. Das war sein Wunsch, nun ging er in Erfüllung. Seit 1990 hatte der SPD-Politiker seine Pension dort verbracht, am 19. Oktober verstarb Erhard Eppler im Alter von 92 Jahren in seiner Heimatstadt Schwäbisch Hall.

Drei Jahre ist es her, da sind mein Kollege Andreas Öhler und ich für ein Interview zu ihm auf den Friedensberg gefahren, den wir beide noch gut als Galgenberg aus unserer eigenen Kindheit in Hall kannten. Eppler, der Ehrenbürger, hatte sich zu seinem 80. Geburtstag beim Bürgermeister die Umbenennung erbeten. Auf einem Galgenberg habe er seine letzten Tage nicht verbringen wollen. Und dann saßen wir, drei Generationen Haller – geboren 1926, 1958 und 1986 –, zusammen in der Epplerschen Stube und sprachen über ein Leben als Visionär wider Willen.

Der SPD-Politiker, in Ulm geboren, zog in seiner frühen Kindheit nach Schwäbisch Hall. Von 1961 bis 1976 saß der Gymnasiallehrer unter den Kanzlern Kiesinger, Brandt und Schmidt im Bundestag, hatte Ämter in der Parteiführung inne. Er leitete die Grundwertekommission der SPD von 1975 bis 1991. Er hat die Friedens- und Umweltbewegung entscheidend mitgeprägt. Nach seiner Zeit als Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit (1968–74) wechselte er 1982 in den Stuttgarter Landtag. Nach seinem Rückzug aus der Bundespolitik widmete Eppler sich zudem vermehrt seiner Arbeit in der evangelischen Kirche. Unter anderem war er von 1981 bis 1983 und von 1989 bis 1991 Präsident des Deutschen Evangelischen Kirchentages.

Zur Begrüßung vor drei Jahren, bevor sie ihre Gäste ins Wohnzimmer begleitete, hatte uns Frau Eppler Kaffee angeboten. "Ich mache sogar einen frischen", sagte sie. Erhard trinke seinen immer aufgewärmt. Ich war baff. Mir war die oft erzählte Liebe zu seinem Garten bekannt, ich hatte seine Bücher gelesen. Und doch sollte es diese kleine Begebenheit sein, die mir diesen großen Politiker erschloss.

Ob er, der Visionär, keine Vision vom Leben nach dem Tod habe, fragten wir ihn am Ende unseres Gesprächs. "Nein", sagte er, "vom Himmel habe ich keine Vision. Ich bin neugierig." Und nun, da er dort ist, frage ich mich, was ihm wohl eher Himmel ist: frisch aufgebrühter oder frisch aufgewärmter Kaffee? Viel in Erhard Epplers Reden und Wirken spricht für Letzteres.