Monika Schoeller besaß ein prägnantes Bild für ihr verlegerisches Selbstverständnis – und überhaupt ihr Selbstverständnis –, das den maßgeblichen Leitsatz ihres immensen Wirkens offenbart. Schon bei unserer ersten Begegnung, anlässlich Silvia Bovenschens 50. Geburtstags im Jahr 1996, am Beginn unserer Zusammenarbeit, formulierte sie es. Der S. Fischer Verlag erschien ihr als "unendlicher, wunderbarer Schatz", sich selbst sah sie als dessen "Hüterin auf Zeit", nicht, so fasste sie es auf, der heiligen Asche, sondern der Flamme. Der Verlag "gehört nicht mir" – "eine Anmaßung" –, er gehöre niemandem oder, anders formuliert: allen. Der ganzen Welt. Die von Monika Schoeller so verehrte Übersetzerin Swetlana Geier erzählte ihr einmal von einer Eigenart des Russischen, in dem die Konstruktion "Ich habe eine Tasse" nicht existiere, sondern bloß die – sozusagen viel wahrere – Beschreibung "Die Tasse ist bei mir".
Monika Schoeller: Hüterin auf Zeit
Eine Erinnerung an Monika Schoeller, die ein halbes Jahrhundert lang Verlegerin von S. Fischer war.