Es wäre kinderleicht gewesen, dem Pianisten, Musikwissenschaftler und intellektuellen G’schaftlhuber Siegfried Mauser den Bärendienst einer solchen Festschrift zum 65. Geburtstag nicht zu erweisen. Dass dies nun geschieht, ist ein Desaster: für die Bärendienstleistenden, weil ihr Misstrauen gegenüber dem "Zeitgeist" (#MeToo) sie offenbar darin bestärkt, an unserer Rechtsprechung Zweifel anzumelden. Und für Mauser, weil die Veröffentlichung zum jetzigen Zeitpunkt eine Trennung von Werk und Person in Stein meißelt, die seine Lebensleistung ad absurdum führt. Glaubt man der Mehrzahl der Gratulanten, dann besteht diese nämlich in der Überwindung herkömmlicher Hierarchien und Gegensätze, in der Musik wie in seinem "alle konventionellen Manieren sprengenden" Leben als Lehrer und Vermittler. Warum sollte ausgerechnet für Werk und Person also etwas anderes gelten?