DIE ZEIT: Wenn Sie auf einer Party sind, was erzählen Sie, was Sie beruflich machen?

Paul Bäumler: Wir gehen nicht so viel auf Partys. Wir müssen viel arbeiten. Im Ernst: Wenn jemand fragt, stellen wir uns vor als Gründer von Letsact, einer Plattform, die Leuten hilft, Gutes zu tun.

Ludwig Petersen: Die meisten sind ziemlich erstaunt, wenn wir das erzählen. Normalerweise studiert man ja in unserem Alter.

ZEIT: Sie haben das Studium abgebrochen, um das Start-up zu gründen. Wie kam’s dazu?

Bäumler: Wir haben gemerkt: Es gibt sehr, sehr viele Leute, die sich engagieren und etwas Gutes tun wollen. Aber sie wissen nicht, wo und wie. Nach dem Abi haben drei meiner Freunde viel Geld an eine Agentur gezahlt, weil sie Kindern in Afrika Englisch beibringen wollten. Vor Ort hat sich dann herausgestellt, dass es schon einen Englischlehrer gab. Sie konnten also nicht helfen.

Petersen: Viele denken, sie müssten ins Ausland fahren, um sich zu engagieren. Dabei gibt es 600.000 Non-Profit-Organisationen in Deutschland, von denen 300.000 nach Helfern suchen. Es fehlt nur die Übersicht. Deshalb haben wir gesagt: Wir gehen das jetzt an.

ZEIT: Sie haben eine Art Tinder fürs Ehrenamt gegründet.

Bäumler: Der Begriff Ehrenamt ist unsexy, wir sprechen lieber von "Volunteering".

Petersen: Die meisten Leute assoziieren mit Ehrenamt auch ein langfristiges regelmäßiges Engagement. Oft hält das dann her als Ausrede, warum man sich nicht engagiert: zu wenig Zeit. Wir wollen den Leuten zeigen, dass es viele Optionen gibt, sich einzubringen: Allein in München stehen in der App hundert Projekte zur Auswahl. Wer nur einen Sonntag Zeit hat: wunderbar. Wer drei Monate mithelfen kann: noch besser.

ZEIT: Wie genau funktioniert das mit der App?

Bäumler: Wer sich anmeldet, bekommt alle sozialen Projekte vorgeschlagen, die in nächster Zeit im Umkreis stattfinden. Das kann eine Müllsammel-Aktion im Park sein oder Nachhilfe-Stunden für ein benachteiligtes Kind. Die Nutzer können auf einen Blick sehen, wie lange das Projekt dauert, ob es einmalig ist oder öfter stattfindet. Wer Zeit und Lust hat, kann sich über die App als Freiwilliger melden. Und auch später läuft die Kommunikation übers Smartphone. Sollte sich spontan etwas an Zeit und Ort ändern, bekommen das alle direkt mit.

ZEIT: So eine App ergibt erst Sinn, wenn viele mitmachen. Wie viele Nutzer haben Sie?

Petersen: Inzwischen etwas mehr als 25.000. Die meisten sind durch Mundpropaganda und Influencer auf uns aufmerksam geworden. Wir hatten auch mal einen Fernsehbeitrag. Nach der Ausstrahlung haben sich binnen zwei Minuten über 3000 Menschen neu angemeldet. Mitbekommen haben wir das erst, als unsere Plattform dadurch gecrasht ist.

ZEIT: Das war aber sicherlich nicht die einzige Panne bisher. Wie oft schlagen Sie sich mit Fehlern rum?

Bäumler: Jede Woche. Als Gründer muss man wahnsinnig viel beachten. Ob das rechtliche Hürden sind oder steuerliche...

Petersen: ...oder eben technische Probleme. Einmal hatten wir einen Fehler in der Plattform, der dazu geführt hat, dass sich niemand mehr registrieren konnte. Sehr ungünstig! Unser Chat ist eskaliert: Wir mussten E-Mails rausschicken, Leute informieren, gleichzeitig Fehler beheben. Stress pur.

ZEIT: Woher können Sie das eigentlich – ein Start-up führen?

Petersen: Vieles lernt man einfach beim Machen, wir haben uns das Schritt für Schritt selbst beigebracht. Auch befreundete Start-ups, die diese Dinge schon einmal durchlaufen haben, sind eine große Hilfe. Und wir haben Mentoren, die uns Tipps geben.