Es war nur eine Frage der Zeit, jetzt ist es so weit: Die Comic-Reihe Asterix gerät in den kritischen Blick des Zeitgeistes. Stimmen die Geschlechterrollen, nach heutigen Standards? Stimmt die Darstellung von Gewalt, Diversität, Heldentum, Kolonialgeschichte? Die Antwort für sämtliche bisherigen Hefte lautet, selbstverständlich: nein, gar nicht. Eine ganze Kohorte junger Eltern ist sich dessen schon länger bewusst und hat zuweilen, die zerfledderten Hefte aus der eigenen Kindheit vorlesend, schon ein schlechtes Gewissen. An manchen Stellen muss man eben ungut schlucken: etwa wenn Frauen bloß dünn, kauf- und streitsüchtig, hysterisch und beschützenswert auftreten, wenn nur Männer den Gang der Geschichte ausfechten und der reichlich unterbelichtete dunkelhäutige Pirat zähneklappernd vor Angst durch seine überdicken Lippen stottert "Chef, steue’bo’d vo’aus, die Ga-, die Ga-, die Gaga-gallieeeer!"

Als hätten die Autoren den Warnschuss gehört, gibt es nun also einen neuen Band, in dem einiges anders läuft: Die Tochter des Vercingetorix, seit einigen Tagen erhältlich, weckt Hoffnung. Vorne drauf: eine junge Frau mit Zopf, stolz und stark vor bretonischen Wellen stehend, hinter ihr der dicke, dumme Obelix mit verwundertem Blick. Unweigerlich meldeten sich erste Rezensenten: Ist das nicht Greta? Andere feierten schon den Siegeszug des Feminismus im alten Männer-Comic, wieder andere zeigten sich enttäuscht.

Was also wird uns nun mit Adrenaline vorgesetzt, der störrischen Tochter des großen Helden Vercingetorix, die sich im aremoricanischen Dorf vor den Römern verstecken soll? Bereits die ersten Seiten zeigen: ein reines Pubertier. Weniger als um Feminismus oder Klimakampf geht es um eine Heldin, die zwischen Kindheit und Erwachsensein null Bock hat und deshalb ständig "abhängen" will und Sachen sagt wie "Kommt mal runter". So wie es vielen Asterixschen Frauenfiguren (Falbala) oder Kindern (Pepe) vor ihr erging, schlagen ihretwegen im Folgenden viele Männer auf viele Köpfe ein, die Heldin selbst darf wenig tun. Aktuelle Themen kommen zwar auf (ein Junge heißt Selfix, "exzessiver Wildschweinkonsum" wird kritisiert), das ist traditionell lustig, aber noch keine Revolution.

Und doch gibt es am Ende definitiv Neues: "Kein Bock, mich wie ein Mädchen anzuziehen", motzt Adrenaline und macht sich letztlich von dannen. Weg von den ewigen Kämpfen der Alten, hinein in ein utopisches Land mit elternlosen Hippie-Kindern aus aller Welt, die Frieden wollen. Die Grobiane lassen sie ziehen, in Ruhe, das ist ein Anfang. Und in jedem Fall ein großer Schritt dahin, beim Vorlesen nicht mehr ungut schlucken zu müssen.