So penibel, wie Elser arbeitet, so ausgeprägt ist sein Gerechtigkeitssinn. Stets achtet er darauf, dass man ihn angemessen entlohnt. Im Berufs- wie im Privatleben legt er zudem größten Wert auf Unabhängigkeit. Er lässt sich nicht unter Druck setzen, fällt seine eigenen, von anderen nicht immer akzeptierten Entscheidungen. Georg Elser gilt als ein oft schweigsamer, aber geselliger Mensch. Seit seiner Schulzeit musiziert er, erst auf der Flöte, dann auf der Ziehharmonika, später, in Konstanz, lernt er das Zitherspiel.

Anfang 1925 verlässt er Königsbronn – in der Tradition der wandernden Tischlergesellen, womit er sich auch aus den komplizierten Familienverhältnissen lösen kann. In den kommenden sieben Jahren arbeitet er immer wieder in Orten rund um den Bodensee, in Manzell, Konstanz, Bottighofen und Meersburg. Er hält sein Schicksal nun fest in den eigenen Händen, ein freier, unabhängiger Mensch. 1928 lernt er die Näherin Mathilde Niedermann kennen, zwei Jahre später kommt Elsers einziger Sohn, Manfred, zur Welt. Die Partnerschaft jedoch zerbricht kurz nach der Geburt; Elser will nicht heiraten, will ungebunden bleiben. Mathilde Niedermann muss ihr Kind allein aufziehen.

Zu Hause leidet Elsers Mutter zunehmend unter den "ewigen Saufereien" ihres Mannes. Im Frühjahr 1932 bittet sie ihren Sohn, zurück nach Königsbronn zu kommen. Die Zeit der Freiheit und der Wanderschaft ist vorbei. Georg Elser hilft nun wieder Mutter und Vater.

Er richtet sich allerdings auch eine kleine Tischlerwerkstatt im elterlichen Haus ein, wo er einzelne Möbelstücke fertigt, meist auf Bestellung von Königsbronner Bürgern, wodurch er sich ein wenig Geld verdient. Sein Vater hingegen ist hoch verschuldet. 1935 muss er Haus und Grundstück veräußern. Über den Kauf eines neuen Hauses kommt es 1938 zu Differenzen zwischen Elser und dem Rest der Familie. Er zieht daraufhin, im Mai 1939, nach Heidenheim und nimmt den Kontakt zu seinen Eltern nicht wieder auf.

Es ist die Zeit, in der Georg Elser den Entschluss fasst, ein Attentat auf Hitler zu verüben. Vermutlich fällt die Entscheidung im Herbst 1938. Bis zum 8. November 1939 setzt er sie systematisch planend in die Tat um.

Von Anfang an lehnt Elser den Nationalsozialismus ab. Er ist und bleibt Individualist. Den Aufzügen der Braunhemden geht er aus dem Weg, konsequent verweigert er den Hitlergruß. Sein Bruder berichtet, dass Georg Elser das Haus verließ, wenn "Führerreden" im Rundfunk liefen. Elsers Freundin Elsa Härlen erinnert sich später an seine Reaktion auf eine nationalsozialistische "Spendenaktion": "Entweder Du bist dafür und gibst etwas, oder Du bist dagegen, dann gibst Du eben nichts", soll er gesagt haben. Ein Freund zitiert Elser mit den Worten: "Ich lass mich lieber erschießen, als dass ich für die Nazis auch nur einen Schritt mache."

Die Lage der Arbeiter, sagt er im Verhör, habe sich nach 1933 verschlechtert

Drei Motive sind für Elsers Weg in den Widerstand ausschlaggebend.

Zunächst wendet er sich gegen das Regime, weil er frei sein will. Freiheit bedeutet für ihn allerdings nicht nur persönliche Unabhängigkeit, die Abwesenheit von Zwang privat und bei der Arbeit: Er beruft sich als politisch denkender Zeitgenosse auch auf die seit 1919 durch die Weimarer Reichsverfassung garantierten politischen und sozialen Grundrechte, die von den Nationalsozialisten weitgehend abgeschafft werden. Der Gestapo sagt Elser 1939 unumwunden: "Ferner steht die Arbeiterschaft nach meiner Ansicht seit der nationalen Revolution unter einem gewissen Zwang. Der Arbeiter kann z. B. seinen Arbeitsplatz nicht mehr wechseln, wie er will, er ist heute durch die HJ nicht mehr Herr seiner Kinder, und auch in religiöser Hinsicht kann er sich nicht mehr so frei betätigen. Ich denke hier insbesondere an die Tätigkeit der Deutschen Christen." Deutlicher lassen sich die Einschränkungen der persönlichen Freiheit, der Freiheit der Erziehung und der Glaubensfreiheit kaum in Worte fassen (wobei die Bezeichnung der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten als "nationale Revolution" vermutlich einer Glättung der Aussage im Protokoll entspringt).