Das war schon gekonnt. Katharina Fegebank Ende September beim Parteitag der Grünen, gleich würde sie die Schlagzeile des kommenden Wochenbeginns formulieren. Sie leitete das ein mit einer unscheinbaren Formulierung, aber wirkt wie ein kleiner Trommelwirbel. Sie wolle, sagte sie, den Klimaschutz zur "Chefinnensache" machen. Noch während die Zuhörer diese Mitteilung verarbeiteten, folgte der Paukenschlag: "Ja, liebe Freundinnen und Freunde, ich will im nächsten Jahr Erste Bürgermeisterin der Freien und Hansestadt Hamburg werden."

Endloser Jubel, Fußvolk und Partei-Elite hielt es nicht auf ihren Sitzen, das grüne Hamburg lag sich in den Armen. Mit einem kleinen Lächeln stand Katharina Fegebank auf dem Podium, fast wirkte sie verlegen angesichts von so viel Zustimmung. Die Demut in Person.

In Wirklichkeit war diese Ankündigung unvermeidlich. Seit fast einem Jahr ist Hamburgs Zweite Bürgermeisterin die Spitzenkandidatin ihrer Partei, die jüngste Umfrage sieht Grüne und Sozialdemokraten gleichauf. Was anderes hätte sie sagen können, als dass sie selbstverständlich Erste Bürgermeisterin werden möchte? Und wann, wenn nicht bei jenem Parteitag, der das Programm für die Bürgerschaftswahl beschloss?

Die Entscheidung, die Sozialdemokraten offen herauszufordern, sei bereits Anfang des Jahrs gefallen, sagt sie selbst dazu. Aber für die größtmögliche Wirkung galt es, den besten Moment abzupassen.

Es gibt eine sozialdemokratische Fegebankkritik, und wenn die Bild-Zeitung in dieser Frage recht behält, dann wird sie ein Grundmotiv des kommenden Wahlkampfes: Hier die fleißigen Aktenfresser von der SPD, die in mühsamer Kleinarbeit ihre Stadt voranbringen, dort die grüne Überfliegerin, die sich selbst in Szene setzt, aber von wenig so richtig Ahnung hat.

Als müsse, was mühelos wirkt, darum auch einfach sein. An ihrer Parteitagsrede, sagt Katharina Fegebank, hätten sie selbst und ihre Berater lange gearbeitet.

Ein grün geführter Senat nach der Bürgerschaftswahl am 23. Februar mag nicht die wahrscheinlichste aller Möglichkeiten sein, abwegig ist sie nicht. Seit Fegebanks Auftritt vor der eigenen Partei kennt man nun auch den Tonfall dieser denkbaren Regierung. Die Grünen wollen zum Schutz des Klimas einen ökologischen Umbau einleiten, wie er nie zuvor irgendwo gelungen ist. Wie spricht man über solch ein Vorhaben? Ihrer Partei sagt Katharina Fegebank, dass "Scheitern ausdrücklich erlaubt" sein müsse. Es sei einfach, sagt sie, "zu Hause auf dem Sofa ganz doll recht zu haben". Aber "wir wollen Dinge nicht geschehen lassen und im Nachhinein schlau kommentieren".

Ein Aufbruch ins Unbekannte – "wenn wir Angst davor haben", sagt sie, "werden wir aus der defensiven Rolle gar nicht rauskommen".

Das Klima schützen wollen neuerdings alle. Irgendwann wird es um Sanierungsquoten im Wohnungsbau gehen und um den Grundlastbetrieb der städtischen Fernwärmeversorgung: zahllose Details einer Umweltpolitik, die daherkommt wie eine Ingenieurwissenschaft. Aber ehe all das geschieht, muss jemand dafür eine Haltung und einen Tonfall finden.