Sie habe sich "immer als Generalistin gesehen", sagt Fegebank: Als Frau für die großen Linien der Politik, heißt das, als Kommunikatorin, als Vordenkerin. So gesehen war ihre Parteitagsrede eine Demonstration der Fähigkeiten, die sie selbst für ihre Kernkompetenz hält.

Zur Rolle der Generalistin gehört eine Flughöhe, aus der die Details verschwimmen. Das verschafft Fegebank gelegentlich eine überraschende Härte. Im internen Streit agieren die Grünen bisweilen rücksichtslos (ZEIT Nr. 31/19), Fegebank stand im Zentrum solcher Auseinandersetzungen. "Ich habe da ganz gute Verdrängungsmechanismen entwickelt", das sagt sie nicht über diese Konflikte, sondern zur Frage, wem in der Wissenschaftspolitik sie wehgetan habe. Die Antwort passt aber auch sonst.

Das Wissenschaftsressort, das Katharina Fegebank seit 2015 leitet, war zuletzt spektakulär erfolgreich. Die Hamburger Uni, seit jeher im Ruf der Mittelmäßigkeit, glänzt im Schein einer gelungenen Exzellenzinitiative.

Auch zu diesem Erfolg gibt es kritische Stimmen. Sie besagen, dass die Wissenschaftssenatorin schlicht Glück gehabt habe, zur richtigen Zeit auf dem richtigen Posten zu sitzen. Exzellenz entsteht nicht in einer Legislatur, und die Grundsteine für die jüngsten Erfolge wurden teilweise vor Jahrzehnten gelegt.

Aber diese Kritik übersieht etwas. Da ist der Wissenschaftsrat, das wichtigste deutsche Expertengremium in der Hochschulpolitik. Seit zehn Jahren bietet er den Bundesländern an, die Entwicklung ihrer Hochschulen zu begutachten. In Hamburg musste erst eine grüne Wissenschaftssenatorin ins Amt kommen, damit dieses Angebot angenommen wurde. Sie habe, sagt Fegebank, die Empfehlungen "mit dem unbedingten Willen und mit Begeisterung für die Sache" umgesetzt.

Hamburg habe das Beratungsangebot des Wissenschaftsrats gut zu nutzen gewusst, sagt dessen Sprecherin. War das auch früher schon so? "Nein, das würde ich nicht so sehen."

Wer mit Katharina Fegebank über Wissenschaftspolitik spricht, findet sich in einem Stakkato optimistischer Metaphern wieder. Sogar die aus grüner Sicht dürftige Ausstattung ihres Ressorts, Ergebnis der Koalitionsverhandlungen mit der SPD 2015, nennt sie heute eine "Absprungrampe". Ansonsten: "Brücken bauen", "ein positives Grundrauschen erzeugen", "die Begeisterung überschwappen lassen" – all das, könnte man einwenden, klingt wolkig. Und doch beschreiben diese Formulierungen eine veränderte Wirklichkeit. Kaum jemand bestreitet, dass Wissenschaft und Hochschulen in Hamburg heute besser sichtbar sind als vor wenigen Jahren und mehr denn je als Hoffnungsträger wahrgenommen werden.

Und schließlich sind da die Grünen selbst. Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Partei, deren Traditionslinien in die linke Hochschulpolitik der 1960er-Jahre zurückreichen, wissenschaftliche Exzellenz bejubelt. Exzellenz, das heißt Elite, Ungleichheit, also praktisch schon Klassenherrschaft – nichts, wofür Linke sich sonderlich begeistern.

Nun ist da eine Senatorin, die wissenschaftliche Exzellenz ihr "Herzensanliegen" nennt und die neue "Science City" in Bahrenfeld rühmt, als habe sie gerade einen Windpark eröffnet: "Erstmals in der stolzen Hafen- und Hansestadt gibt es einen Stadtteil, der der Wissenschaft gewidmet ist. Das ist ein Knaller, liebe Freundinnen und Freunde!"

Fegebank schwärmt, sie lobt; "stärken", sagt sie, sei eines ihrer Lieblingsworte. Kritik äußert sie selten. Noch im Wahlkampf verteidigt sie ihre Amtsvorgängerin Dorothee Stapelfeldt von der SPD gegen den Vorwurf, in der Wissenschaft Gießkannenpolitik betrieben zu haben.

Ein scharfes Urteil Fegebanks ist allerdings bekannt, und es ist zugleich eine ihrer erstaunlichsten politischen Leistungen. Dass die Hamburger CDU ihre strikt antigrüne Linie aufgegeben und sich in einen denkbaren Koalitionspartner verwandelt hat, mit allen Optionen, die das den Grünen eröffnet: Das ist eine Entwicklung, die durch eine kritische Bemerkung der Zweiten Bürgermeisterin eingeleitet wurde. Die CDU habe "keinen interessanten Ansprechpartner" für die Grünen und stehe "in Opposition zur Realität einer modernen Stadtgesellschaft", sagte Fegebank in einem Interview – ein kleiner Satz, mit Bedacht formuliert, der Hamburg erheblich verändert hat. So böse wie gekonnt.

Ein Streitgespräch zwischen Katharina Fegebank und Bernd Lucke finden Sie hier.