Manchmal fragt sich Johann Gerdes, ob das eine gute Idee war: Ein Hof in Brandenburg rund 50 Kilometer von Berlin entfernt, konsequent ökologisch bewirtschaftet. Letztes Jahr war die Kartoffelernte ein Totalausfall wegen der Hitze. Auch dieses Jahr hatte es über Wochen nicht geregnet. Als Gerdes im Sommer probeweise ein paar Kartoffeln aus der Erde zog, waren die klein wie Pflaumen.

Dabei kam Johann Gerdes, 36 Jahre alt, Brille, Dreitagebart, Baseballcap, mit großen Plänen hierher. Er wuchs in Oldenburg auf und machte seinen Master an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung in Eberswalde. Vor dreieinhalb Jahren ist er mit seiner jungen Familie nach Beerfelde gezogen, um den Betrieb einer ehemaligen LPG, einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft, zu übernehmen.

Mit 730 Hektar ist der Beerfelder Hof riesig im Vergleich zu dem, was man im Westen Deutschlands kennt. Statt vier oder fünf Pflanzenarten, wie in der konventionellen Landwirtschaft, bauen Gerdes und seine Mitarbeiter jedes Jahr 15 bis 20 Kulturarten an. Die meisten Erträge bringen ihm Getreidearten, Roggen, Weizen, Dinkel. Aber auch auf Soja setzt der Hof. Gerdes sagt: "das funktioniert unter Klimawandelbedingungen möglicherweise besser".

Johann Gerdes leitet einen von rund 270.000 landwirtschaftlichen Betrieben Deutschlands, und er spürt auf seinen Feldern jeden Tag hautnah, was ansonsten nur Statistik ist: Die Durchschnittstemperatur ist in Deutschland seit 1881 um 1,5 Grad Celsius gestiegen. Das klingt wenig, aber bedeutet viel. Die Niederschlagsmuster verändern sich, manchmal gibt es mehr Regen, vor allem häufiger Starkregen, gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit für längere Hitzewellen und Dürren. Viele Pflanzen beginnen aufgrund der Wärme früher im Jahr zu keimen. Kommt dann ein Spätfrost im April: Pech für den Bauern.

Wer durchs Land reist und mit Landwirten darüber spricht, wie sie sich auf den Klimawandel vorbereiten, stößt auf Menschen wie Gerdes, die viel ausprobieren, um neue Lösungen zu finden. Oder auf einen Münsterländer Bauern, der ein neues Pflugverfahren testet. Und auf Winzerfamilien, denen die Dürrejahre viel Arbeit aufzwingen.

Der Kaiserstuhl bei Freiburg im Breisgau ist vor allem für seinen Grau- und Spätburgunder bekannt. Die Winzerfamilie Eiche lebt an der Nordwestecke des Vulkangebirges. In der vierten Generation bauen sie Wein an. So heiß wie hier ist Deutschland nirgendwo, deswegen spüren die Eiches Veränderungen viel früher als andere. Stefan Eiche, dem das Gut gehört, kann die besonderen Jahre aus dem Kopf aufzählen.

2000 war es heiß, 2003 extrem heiß. 2016 war anfangs sehr feucht, dann aber doch gut. 2017 litten in ganz Baden-Württemberg Winzer, Obst- und Gemüsebauern unter dem Spätfrost, 2018 kam die Dürre. Dieses Jahr war der Sommer so trocken, dass Eiche an manchen Tagen mehr als 60.000 Liter Wasser vom Tal den Berg hinauffahren musste, um junge Reben aus dem letzten Jahr über Schläuche tröpfchenweise zu bewässern.

Auf einem Hügel ist die Bewässerung weniger aufwendig, hier hat Eiche Ende der Neunzigerjahre mit anderen Winzern eine feste Bewässerungsanlage installiert. Sie wird über Pumpen und Zwischenspeicher mit Grundwasser aus der Rheinebene versorgt. Je häufiger Hitzewellen und Dürren werden, desto wichtiger wird es für die Winzer am Kaiserstuhl, künstlich zu bewässern.