Der Fluch der Gegenwart ist, ständig etwas Neues schaffen zu müssen. Nie ist es genug, immer braucht es etwas Besseres. Am besten: etwas nie Dagewesenes! Dieses Credo hält uns alle gefangen, und zwar in ewiger Knechtschaft. Mich zwingt es, ständig neue Kolumnen zu schreiben. Aber ich beklage mich nicht, andere sind schlimmer dran. Maschinenbauer zum Beispiel.

Maschinenbauer müssen Maschinen bauen. Und zwar auch mal neue Maschinen. Eine davon habe ich jetzt als Sonderangebot bei Penny gesehen. Es ist ein Bratwurstbratgerät und heißt Wurster. Wenn Sie sich jetzt fragen: Hä, Bratwurstbratgerät? Meint der Typ eine Pfanne? Oder einen Grill für draußen? Dann sage ich: Nein, das Bratwurstbratgerät ist ein elektrischer Toaster für Bratwürste, mit zwei runden Öffnungen oben, in die sich die Würste versenken lassen. "Optimales Grillergebnis durch die Programme ›dicke Wurst‹ und ›dünne Wurst‹", heißt es in den Produktdetails.

Gut, brandneu ist die Maschine wohl nicht. Andererseits habe ich sie erst jetzt gesehen – weil sie im Online-Shop von Penny für 99 Euro statt 179 Euro angeboten wird. Unverkennbar ein Trend: Spezielle Steakgrillgeräte gibt es ja auch, und zahlreich sind die guten Gründe für eine Anschaffung von derlei elektrischem Schnickschnack, man will sich bei der Zubereitung von Lebensmitteln nicht blamieren. Zwar weiß ich nicht, wo die Menschen das alles unterbringen und wie groß ihre Küchen sind. Aber auch das ist nur ein Grund, über etwas Neues nachzudenken. Über eine neue Küche zum Beispiel, mit genügend Raum für all die neuen Geräte. Und wenn zu wenig Platz ist, warum nicht eine neue Wohnung mieten? Oder gleich einen Neubau planen?

Ja, Fortschritt kann Zumutungen mit sich bringen. Aber so hängt alles zusammen: Es gibt ein neues Produkt, und ich schreibe eine neue Kolumne. Was für ein ewiger Kreislauf.