Die Nachricht klingt wie katholisches Klein-Klein: Bei der Amazonas-Synode in Rom sprach sich eine Mehrheit der Bischöfe dafür aus, verheiratete Diakone zu Priestern zu weihen. Doch was unscheinbar daherkommt, könnte die Weltkirche verändern. Schließlich geht es um den Zölibat. Er soll gelockert werden, wenn auch vorerst nur im priesterarmen Urwald Südamerikas.

Um die Tragweite des Ganzen zu ermessen, muss man sich erinnern, was der Zölibat für die Kirche bedeutet. Die Bibel kennt ihn nicht. Dennoch gibt es ihn seit 1139. Umstritten war er immer. Aber erst Johannes Paul II. und Benedikt XVI. machten glauben, dass jede Liberalisierung Verrat an der heiligen Mutter Kirche sei. Doch jetzt wird der Zölibat wohl geöffnet. Eine Mehrheit der Bischöfe will es so. Dass Papst Franziskus zustimmt, ist anzunehmen. Im Interview mit der ZEIT hielt er 2017 eine Öffnung des Zölibats für bewährte, verheiratete Männer – die "Viri probati" – für möglich.

Die Beschränkung auf eine eher randständige Region der katholischen Welt darf nicht darüber hinwegtäuschen: Hier wird ein Präzedenzfall geschaffen. Andere Ortskirchen können ihn sich zum Vorbild nehmen. Priesterarmut gibt es schließlich nicht nur in Amazonien, sondern auch in Aachen oder Augsburg. So wurden 2018 in Deutschland nur 60 Priester geweiht. Im Jahr 1990 waren es noch 295. Seit dem Missbrauchsskandal schwindet der Glauben vieler Katholiken in die Reformfähigkeit der Kirche. Um den Vertrauensverlust zu stoppen, forderten immer wieder Bischöfe die Lockerung des Pflichtzölibats. Sehr zum Missfallen des konservativen Lagers.

Schon vor der Amazonas-Synode schwelte in Deutschland und im Vatikan der Richtungsstreit. Selbst der Papst geriet unter Häresie-Verdacht. Schließt er sich dem Votum seiner Bischöfe nun an, entscheidet er den Konflikt in einer Symbolfrage. Reformen können künftig nicht mehr mit Verweis auf ewige Wahrheiten beerdigt werden. Gleichzeitig geht er auf die Kritiker zu. Tradition, erinnerte er sie zum Synoden-Abschluss, heißt "Bewahrung der Zukunft", nicht "Behüten der Asche". Wie wahr.