Die Schulen sind Teil dieser technikaffinen und pragmatischen Kultur. Viele Fragen, die man in Deutschland für immens wichtig hält, sind in Dänemark kaum ein Thema. So nutzen viele Schulen Instrumente wie Googledocs. Dass die Daten der Schüler und Lehrer auf irgendwelchen Servern in den USA lagern, stört niemand. Schon heute machen die meisten dänischen Schüler ihre Abschlussprüfungen am Computer. Ab 2020 sollen es alle sein. Schummelgefahr? Die existiert, wird aber mit Plagiatssoftware oder digitalen Kontrollen minimiert.

Selbst die Zeugnisse gibt an vielen Schulen nur noch online. Die meisten Eltern finden es gut, das spart schließlich Papier. Als das Gymnasium in Åbenrå vor zwanzig Jahren sein Laptop-Programm einführte, gingen die Anmeldungen nach oben. Und dass die Digitalisierungsstrategie der Regierung in der Kita beginnt, provoziert kaum Kritik. Die meisten Eltern würden eher fragen: Ja, wo denn sonst?

Jens Mittag, der Schulleiter der Deutschen Schulen in Åbenrå, nennt noch einen Grund für den Vorsprung: "In Deutschland braucht ihr immer ein Gesamtkonzept, bevor man etwas Neues macht", sagt er, "wir Dänen fangen erst einmal an." Sie holten sich die Computer einfach in die Schule – ohne lange zu sinnieren, was man sich damit sonst noch einhandelt. Heute kann das größte Problem jeder benennen: Ablenkung. Weil YouTube, Facebook und Instagram während der Schulzeit keine Pause machen und die Schüler permanent online sind, gerät für die Lehrer jede Stunde zu einem fortwährenden Kampf um Aufmerksamkeit.

"Ich schaue mir Nasa-Daten an, wenn mich der Unterricht nicht interessiert", sagt Jacob, ein Schüler aus der Elften. Typischer dürfte sein Klassenkamerad Finn sein, der bei Langeweile lieber eine Runde Clash Royale spielt. Nähert sich der Lehrer, wechselt er schnell die Bildschirmansicht.

Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel, dessen Regeln oft nicht klar definiert sind. Der eine Lehrer akzeptiert, wenn Schüler im Unterricht kurz eine WhatsApp-Nachricht beantworten, der andere nicht. Die eine Kollegin schaut weg, wenn die Smartphones im Unterricht – gegen die offiziellen Regeln – offen auf dem Tisch liegen. Die andere ahndet jeden Verstoß (der Ertappte muss in der nächste Stunde Süßes für alle mitbringen).

Die Strategien gegen die digitale Konkurrenz von außen sind vielfältig: Strafen, Internetfilter, Programme, die den Bildschirm regelmäßig fotografieren. Die definitive Lösung ist noch nicht gefunden. Am Ende bleiben den Lehrern nur ständige Ermahnungen ("Pack das ein!", "Schalt das aus!", "Mach die Seite zu!"). Das kennen Eltern in Deutschland.

Schulleiter Mittag würde sich an seinem Gymnasium etwas mehr "Strenge" wünschen, sagt er. Doch dänische Schulen sind konsensorientiert, autoritäre Lösungen verpönt. "Am Ende müssen die Schüler ohnehin selbst lernen, mit der Technik umzugehen, in der Schule wie im Leben", sagt Mittag. Die Digitalisierung bremsen, die Geräte wegsperren? "Daran denkt hier in Dänemark wirklich niemand."

Im Gegenteil, die offizielle Strategie zielt genau in die andere Richtung. Dänemark müsse IT-Spitzenreiter bleiben, es müsse noch mehr Nutzen ziehen aus den digitalen Segnungen. So die Botschaften der aktuellen Digitalisierungsstrategie der Regierung. "Die Bildung spielt dabei eine wichtige Rolle", sagt Jeppe Bundsgaard, Pädagogik-Professor an der Universität Århus. Die Schulen sollen ihre Schüler intensiver mit der Technik vertraut machen, am besten von der ersten Klasse an. Damit sie die Technik nicht nur als Lernhilfe oder Bildermaschine nutzen, sondern als Werkzeug, um Probleme zu lösen.