Zum zehnten Geburtstag der ZEIT im Osten: Ein Spezial über Ostdeutsche unter 40, die die Republik verändern könnten. Hier die 100 wichtigsten jungen Ostdeutschen aus Politik, Wirtschaft und Kultur im Überblick.

DIE ZEIT: Herr Palent, Sie betreiben einen der schönsten Buchläden. Wieso sind Sie Buchhändler?

Felix Palent: Ach: Ich arbeite zwar in einer Branche, die seit Jahren den eigenen Untergang beschwört. Aber ich will das Gegenteil beweisen und glaube an die Bücher und die Autoren. Jedenfalls pflege ich ein ziemliches Misstrauen gegen das Digitale.

ZEIT: Klingt kämpferisch, aber auch nostalgisch ...

Palent: Ich habe mich mal gefragt, wer in unseren Laden kommt: Nur die Grauhaarigen? Klar, die sind auch da, dürfen sie ja auch. Aber es kommen auch Junge.

ZEIT: Was macht einen guten Buchhändler aus?

Palent: Der Beruf hat sich nicht verändert, das Geschäft schon. Man muss eine klare Haltung zu den Büchern haben und ästhetisches Empfinden. Wir machen ein extrem literarisches Programm, setzen auf Begegnungen zwischen Lesern, Buchhändlern und Autoren. Das geht gut auf.

ZEIT: Und welche Bücher fehlen bei Ihnen?

Palent: Neben Bertolt Brecht steht bei uns eben nicht Dan Brown. Dan Brown hat bei uns nichts zu suchen. Weil wir eine qualitative Grenze ziehen.

ZEIT: Das ist aber ganz schön elitär.

Palent: Der Laden wäre erfolgreicher, wenn wir solche Bücher hätten. Und klar, jedes Mal, wenn ein neuer Dan Brown kommt, frage ich mich: "Was machste jetzt?" Aber ich kann das nicht. Das ist die Freiheit, die wir uns leisten. Wir machen es anders, etwa bei unseren Lesungen: Was wir nicht leiden können, sind klassische Wasserglaslesungen, bei denen alle still sein müssen. Bei uns können Gäste etwas sagen! Bitte diskutieren! Und es muss immer irgendwie brenzlig sein.

ZEIT: Wie kriegen Sie das hin?

© Oriana Fenwick

Palent: Das ist unterschiedlich. Kürzlich hatten wir eine Lesung mit Johan Harstad, in seinem Buch Max, Mischa und die Tet-Offensive bezieht er sich auf den Film Apocalypse Now, der vom Vietnamkrieg handelt. Da haben wir gedacht: Den Film müssen wir zeigen. Also las Harstad, während man im Hintergrund sah, wie Helikopter Napalm abwerfen. So was kann verwirren, aber die Leute spüren: Bei uns gibt es einen besonderen Herzschlag. Den bewahren wir.

ZEIT: Ecken Sie damit auch an?

Palent: Wir hatten mal eine Lesung mit Uwe Tellkamp – und ja, ich würde nach wie vor dafür plädieren, ihn einzuladen, weil er ein extrem guter Autor ist. Ich finde, dass etwas nicht stimmt, wenn Einladungen nur noch wie Bekenntnisse ausgesprochen werden. Natürlich muss man bei allen schauen: Was sagen die? Politisch darf es bei unseren Lesungen immer werden. Soll es. Eben brenzlig.