Zum zehnten Geburtstag der ZEIT im Osten: Ein Spezial über Ostdeutsche unter 40, die die Republik verändern könnten. Hier die 100 wichtigsten jungen Ostdeutschen aus Politik, Wirtschaft und Kultur im Überblick.

Karoline Herfurth © Oriana Fenwick

DIE ZEIT: Frau Herfurth, wir schreiben uns per Mail, weil Sie heute im Zug sitzen. Wohin sind Sie denn gerade unterwegs?

Karoline Herfurth: Nach Hamburg, im Rahmen der Kinotour für Das perfekte Geheimnis. In Berlin war gestern die Premiere des Films und eine sehr nette Feier im Anschluss. Ich bin noch etwas müde.

ZEIT: Erste Klasse, zweite Klasse oder Bordrestaurant?

Herfurth: Erste Klasse. Dort war es früher noch ruhiger. Mittlerweile hat man das Gefühl, dass einfach alle Züge voll sind.

ZEIT: Entspannen oder arbeiten Sie im Zug?

Herfurth: Beides. Manchmal lese ich Drehbücher und beantworte Mails, manchmal binge-watche ich Serien oder gucke drei Filme hintereinander. Ich liebe diese Zeit ganz für mich alleine.

ZEIT: Wie viel Ruhe ist nötig, um den Stress als Schauspielerin auszuhalten?

Herfurth: Mein Bedürfnis danach ändert sich stetig, aber ich kann sehr gut faulenzen. Ich glaube, besonders helfen Bodenständigkeit und Unaufgeregtheit. Es ist ein sehr emotionaler und gefühlsintensiver Beruf, und ich bin dann manchmal froh über etwas Abstand und ein "normales" Leben.

ZEIT: Worauf sind Sie stolz?

Herfurth: Ich bin gerade ganz schön stolz auf mich. Das soll nicht unsympathisch klingen. Aber ich habe gerade sehr durchgezogen, drei Regieprojekte gestemmt und dazwischen den neuen Film gedreht. Ich bin einfach stolz, dass ich das gemeistert habe und dabei auf dem Teppich geblieben bin.

ZEIT: Wie schaffen Sie es, eine gute Schauspielerin zu sein?

Herfurth: Das Wichtigste für mich ist, dass ich meine Seele aufmache: für die Geschichte meiner Figuren, für ihr Glück und Leid.

ZEIT: Wie schaffen Sie es, eine erfolgreiche Schauspielerin zu bleiben?

Herfurth: Da gehört eine Portion Glück dazu, im richtigen Moment von jemandem gesehen zu werden. Ansonsten ist es wichtig, sich die Spielfreude, die Bescheidenheit und das Feuer zu bewahren. Das ist es, womit man das Publikum anzünden kann.

ZEIT: Wenn Sie Ihre Karriere mit einem Transportmittel vergleichen müssten, welches wäre das?

Herfurth: Ein riesiger Luxusdampfer. Voller unterschiedlicher Leute, Möglichkeiten, Momente; der mal durch stilles Wasser fährt, mal durch wilde Stürme, in Sonnenuntergänge rein und in die Nacht, um am nächsten Morgen wieder weiterzufahren.

ZEIT: Was wäre die Endstation?

Herfurth: Eigentlich bin ich schon angekommen.