Zum zehnten Geburtstag der ZEIT im Osten: Ein Spezial über Ostdeutsche unter 40, die die Republik verändern könnten. Hier die 100 wichtigsten jungen Ostdeutschen aus Politik, Wirtschaft und Kultur im Überblick.

© Oriana Fenwick

"Für mich ist 2019 ein Umbruchsjahr. Im August bin ich 25 Jahre alt geworden, einerseits ist das jung, andererseits habe ich das Gefühl, schon vieles geschafft zu haben.

In dieser Zeit wird uns oft suggeriert, dass es nur ein Ziel gebe: ›mehr‹ und ›schneller‹ und ›höher hinaus‹. Ich hatte das Bedürfnis nach Entschleunigung. Daher habe ich mir Zeit genommen, um einmal links und rechts zu schauen. Vielleicht dadurch besser zu verstehen, was überhaupt mein Ziel ist.

In meinem Leben habe ich manches geschenkt bekommen. Zum Beispiel, dass ich – dank meiner Eltern, die Künstler sind – im Theater aufwachsen durfte. Damit wusste ich schon früh, dass es mein Weg sein würde, Geschichten zu erzählen.

Oder dass mich mit 14 Jahren der Regisseur Michael Haneke in seinem später Oscar-nominierten Film Das weiße Band besetzt hat. Diese Arbeit hat mir gezeigt, dass ich Schauspielerin sein möchte.

Als Schauspielerin macht man sich verletzlich. Immer und immer wieder muss man sich selbst aufgeben. Aber wie erfolgreich man ist, das hängt nicht nur von einem selbst ab, sondern von einer Mischung aus kontinuierlicher Arbeit, Zielstrebigkeit, Zufall – und Glück. Die meiste Arbeit passiert in den Phasen, in denen man nicht aktiv auf einer Bühne oder an einem Set steht.

Man muss darauf vorbereitet sein, zu spielen; egal, wann es gefragt ist. Muss körperlich und mental fit sein. Muss, wenn es dann ›und bitte!‹ heißt, alles geben können.

Auch außerhalb der Drehs versuche ich deshalb, mich zu bilden. Sprachen zu lernen, zu lesen, Volkshochschulkurse zu besuchen.

In meiner Arbeit ist es mir wichtig, eine Aussage zu haben. Um dann hoffentlich mit dem Publikum ins Gespräch kommen zu können.

Es passieren so viele Dinge in unserer Welt. Es ist meine Art, mich und mein Publikum für gewisse Themen zu sensibilisieren. Das Schauspielern ist mein Ausdrucksmittel. Und ich bin dankbar, dass ich diese Arbeit ausüben darf.

Für das nächste Jahr gibt es schon ein paar spannende neue Projekte, die ich gerade vorbereite. Wenn ich in meiner Geburtsstadt Dresden bin, liebe ich es, ins Theater zu gehen. Der Kulturreichtum beeindruckt mich immer wieder. Wer weiß, vielleicht darf ich auch irgendwann mal wieder in Dresden auf einer Bühne stehen? Es würde mich freuen."