Die Episode mit dem Baby schien zu belegen, dass die CDU ein Problem hat: Kann es sein, dass da jemand (in dem Fall der damalige Landtagspräsident Christian Carius) aus der Zeit gefallen ist? Die SPD-Abgeordnete Lehmann stellt deshalb heute diese Frage: "Warum sollte sich ein junger Mensch in einer Partei wie der CDU engagieren, die wenig mit seinem Leben zu tun hat?"

Ist es aber etwa ein Naturgesetz, dass die Jugend eher links tickt?

Wenn jemand darauf Antworten wissen müsste, dann Alexander Dierks: 32 Jahre alt und Generalsekretär der immer noch ziemlich mächtigen sächsischen CDU. Er selbst, sagt er prompt, sei doch das beste Beispiel dafür, dass junge Menschen in die Partei einträten und dort auch gefördert würden. "Ich habe immer viel Unterstützung erfahren", sagt er. "Es gab keine Vorbehalte wegen meines Alters." Alles sei sehr schnell gegangen, sein Weg vom Landesvorsitz der Jungen Union zur Landtagskandidatur und dann zum Generalsekretär. "Nie hatte ich das Gefühl, dass die älteren Kollegen ein Problem mit mir haben." Stattdessen machte sich Dierks rasch einen Namen. Erst recht, seit er den erfolgreichen, bundesweit gepriesenen Wahlkampf von Ministerpräsident Michael Kretschmer in diesem Herbst mitorganisierte.

Für die Frauen, sagt Dierks, gelte, was für ihn gegolten habe: Die Frage sei nicht, ob die Partei jungen Frauen eine Chance gebe, "das tun wir", sagt er. Die Frage sei, wie die CDU mehr junge Frauen für Politik begeistere. "Es ist eine Führungsaufgabe, für ein ausgewogenes Verhältnis der Geschlechter zu sorgen", sagt Dierks, "ohne fest in der Satzung vorgeschriebene Quote, aber mit klaren Signalen." Deshalb hätten Kretschmer und er dafür gesorgt, dass die Landesliste bei der Landtagswahl bis Platz 20 paritätisch besetzt war.

"Wenn Parteien wie SPD, Linke und wir da sind, die konsequent mindestens die Hälfte Frauen auf Mandate und Posten setzen, dann hat das eine Ausstrahlung"
Madeleine Henfling,

Dass nun trotzdem nur sehr wenige Frauen (und auch nur wenige Jüngere) für die CDU im Dresdner Landtag sitzen, liegt daran, dass viele der CDU-Abgeordneten nicht über die Liste, sondern über Direktmandate ins Parlament eingezogen sind. Deshalb ist für Dierks die Quotendebatte auch überflüssig, jedenfalls in der CDU. "Für uns als größte Landespartei, die stark in den Wahlkreisen ist, ist es schwerer, auf die Verteilung der Geschlechter Einfluss zu nehmen", sagt er. Es gehe daher eher darum, "vor Ort mehr Frauen zu fördern", in den Kommunen und Landkreisen. Und wie macht man das konkret?

Tja. Von den 45 CDU-Abgeordneten im sächsischen Landtag sind zehn weiblich, nur zwei von ihnen sind 40 oder jünger. In der künftigen Thüringer CDU-Fraktion werden sogar nur zwei Frauen sitzen. Weil auch von den 22 AfD-Abgeordneten nur drei weiblich sind, ist der Frauenanteil im Erfurter Landtag von gut 40 Prozent auf rund ein Drittel gesunken.

Dennoch glaubt Madeleine Henfling, dass sich gerade etwas ändert. "Wenn Parteien wie SPD, Linke und wir da sind, die konsequent mindestens die Hälfte Frauen auf Mandate und Posten setzen, dann hat das eine Ausstrahlung", sagt sie.

Allerdings müsste ihre Partei dafür vielleicht etwas mehr Erfolg haben. Fünf Grüne werden ins Thüringer Parlament einziehen. Damit ist Madeleine Henfling, die für Platz fünf nominiert wurde, gerade so wieder drin. Laura Wahl, Jahrgang 1994, die den Landesverband der grünen Jugend führt, dagegen nicht.