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Sie wollen Macht? Dann sollten Sie die Medien aufkaufen: Denn haben Sie die Presse einmal auf Linie gebracht, gehört der Sessel Ihnen.

Recep Tayyip Erdoğan weiß das mittlerweile: Kaum war er an die Regierung gekommen, baute er eigene Medien auf. Die jedoch kaum jemand lesen wollte, und nur wenige schalteten das von ihm kontrollierte Staatsfernsehen ein. Deshalb richtete er seinen Blick schnell auf die Mainstreammedien.

Deren Flaggschiff war stets die Hürriyet (die meistverkaufte, meistgelesene Zeitung) der Doğan-Gruppe, die auch den populärsten Fernsehsender besaß. Zunächst nahm Erdoğan die Gruppe aufs Korn und rief seine Anhänger zum Boykott auf, drang damit aber nicht durch. Daraufhin brummte er der Gruppe die höchste Steuerstrafe der türkischen Geschichte auf: 2,5 Milliarden Dollar. Der Inhaber Aydın Doğan, 83, sah sich zum Kompromiss gezwungen, um nicht in Haft zu müssen. Zwei seiner Zeitungen musste er 2011 verkaufen, damit er zumindest einen Teil der Strafe zusammenbekam.

Die Hürriyet jedoch behielt er. Er wechselte ihren Chefredakteur aus und nahm von einigen Autoren Abschied. Damit hoffte er davonzukommen – vergebens. Denn Erdoğan will keine neutralen Medien, sondern loyale. 2018 ging die Gruppe dann in andere Hände über, und nun gehören die beiden auflagenstärksten Zeitungen und der populärste Fernsehsender dem Investor Yıldırım Demirören, der keine Kritik an Erdoğan duldet.

Vergangene Woche erlebte die Hürriyet dann ihre historische Abwicklung. 50 Journalisten bekamen die Kündigung nach Hause geschickt. Der Chefredakteur und altgediente Redakteure gingen von sich aus. So hisste Erdoğan die eigene Fahne auf dem Flaggschiff der Medien.

Allerdings ist dieses Flaggschiff seit der Umwandlung in ein Propagandaorgan quasi leckgeschlagen. Denn lange vor den Autoren verließen bereits die Leser das Blatt. Jetzt wartet die Türkei auf neue Medien, die auf dem Wrack der Presselandschaft entstehen.

Aus dem Türkischen von Sabine Adatepe