Alles Dumme hat auch eine gute Seite, und im Falle von Roland Emmerichs Midway besteht sie darin, dass der Film trotz seines brutalen Soundtracks, seiner enervierenden Computerspielästhektik, der donnernden Geschütze und Explosionsblitze keinen bleibenden Ärger hinterlässt. Selbst der nostalgische Patriotismus, mit dem diese amerikanische Seeschlacht des Zweiten Weltkriegs hier noch einmal verfilmt wurde (zuletzt 1976 mit Henry Fonda, Charlton Heston und anderen Stars), verblasst schon auf dem Heimweg zu einer peripheren Peinlichkeit. Woran liegt das? Zum Teil an der Unentschiedenheit des Regisseurs, der sein Publikum zwar an Heldentaten aus einer moralisch besseren Zeit erinnern, gewissermaßen Amerika "great again" machen will – aber nicht im Sinne Trumps – und der deshalb auch den japanischen Kriegsgegner nicht herabwürdigen möchte.

Emmerich, das lässt sich auch aus seinen Interviews zum Film erahnen, schwebte so etwas wie ein ritterliches Kriegsepos mit fairen, rührend tapferen Jungs vor, aber umgesetzt hat er davon nur das Altmodische beziehungsweise den Versuch, eine Zeit, die gar nicht so altmodisch war, sondern modern und brutal, auf altmodisch und anständig zu schminken. Er rekonstruiert nicht die Zeit, er blickt auch nicht von heute auf sie zurück, er taucht die militärisch enthemmten Vierzigerjahre vielmehr in das gnädig verkitschende Licht der Fünfzigerjahre, in denen man sich der Seeschlacht um die pazifischen Midway-Inseln so gern erinnerte, weil sie die erste glorreiche Revanche für den japanischen Überfall auf Pearl Harbor war (und nicht so schmutzig wie der Atombombenabwurf auf Hiroshima).

Um die Beschwörung dieses Amerikas, als es noch unschuldig war, geht es dem Film, und da trifft es sich unglücklich, dass alles außerdem möglichst echt und historisch authentisch aussehen soll, mit fremdartiger Technik, kuriosen Frisuren und übertrieben kerniger Männlichkeit. Der (immer unwahre) Mythos und das Design des Authentischen gehen aber nicht zusammen, zumal zur Authentizität des damaligen Kriegsgeschehens leider auch die schon höchst unromantische Avanciertheit der Nachrichtentechnik gehört. Denn der Grund für den Sieg war die Entschlüsselung des japanischen Funkcodes; so konnten die Amerikaner, die von den Japanern bei den Midway-Inseln in eine Falle gelockt werden sollten, den Japanern ihrerseits eine Falle stellen.

List und Gegenlist, Tücke und technologische Überlegenheit waren die entscheidenden Faktoren. Das will Emmerich nicht unterschlagen, es lässt sich aber auch nicht so ohne Weiteres in Moral, in Heldentum und Selbstaufopferung überführen. Daher der starke Einsatz von Schminke und künstlichen Alterungsmitteln. Im Modellbau spricht man, wenn es darum geht, den verführerischen Eindruck des Echten zu erzielen, von weathering. Es gibt spezielle Verwitterungstinkturen dafür, die allerdings sparsam eingesetzt werden wollen.

Bei Emmerichs Film handelt es sich eher um einen Fall des ungezügelten weathering. Seine Schiffe und Flugzeuge sehen viel älter aus, als sie zur Zeit ihres Einsatzes 1942 ausgesehen haben konnten; sie sehen ungefähr so aus, wie sie in den Fünfzigerjahren ausgesehen haben, als man die ramponierten Kreuzer und Flugzeugträger zur patriotischen Erbauung des Publikums ausstellte. Auch daran lässt sich sehen, dass es dem Film nicht um die Rekonstruktion des Kriegsgeschehens geht, sondern um die Rekonstruktion der Kriegserinnerung. Man möchte noch einmal so auf den Zweiten Weltkrieg blicken, wie es in den Fünfzigerjahren möglich war und wie es heute, nach allen späteren amerikanischen Verfehlungen, nicht mehr möglich ist. Das ist Kitsch – aber auch eine so verständliche Form von Nostalgie, dass man den Film lieber vergisst, als ihm anhaltend zu grollen.