Stadt und Land und vor allem die EU – sie steuert 4,2 Millionen bei – stellen etwa 8,3 Millionen Euro für die Sanierung zur Verfügung. Zur Einordnung: Für die Restaurierung der Berliner Neuen Nationalgalerie von Mies van der Rohe gibt der Bund etwa 7900 Euro pro Quadratmeter Gesamtfläche aus, Rostock muss mit knapp 2700 Euro pro Quadratmeter zurechtkommen.

Aber es sind nicht nur die knappen Mittel, die hier dafür sorgen, dass auf die einzigartigen und für die Gesamtwirkung unerlässlichen Details nur bedingt Rücksicht genommen werden kann. Ihre Bedeutung ist bisher oft nicht ausreichend erkannt worden, eben weil sie so simpel erscheinen.

Etwa die Ziegelböden, die eine in Jahrzehnten gewachsene Patina aufweisen. Wenn die Ziegel jetzt herausgenommen werden, wird die Patina zwangsläufig zerstört sein. Selbst eine "Grundreinigung" – an einigen Stellen wurde sie schon durchgeführt – hat bereits zur Folge, dass aus satt dunkelviolett schimmernden Oberflächen ein flaches Backsteinorange wird. Ähnlich verhält es sich mit den Fliesen der Fassade, die direkt auf den Betonkern montiert wurden: Sie würden keine Isolierungsmaßnahme überstehen. Hier kommt der Klimaschutz wie so oft dem Denkmalschutz empfindlich in die Quere.

Die Glasplatten, aus denen die mild schimmernden Oberlichter konstruiert sind, stammen eigentlich aus dem Industrie- und Agrarbau. Wenn sie nun, wie geplant, durch moderne Oberlichter ersetzt werden, geht nicht nur eine vorzügliche Beleuchtung verloren, sondern auch ein herausragendes Dokument der für den Sozialismus so notwendigen Improvisationskunst zugrunde.

Man spricht in Rostock von Denkmalpflege und meint schöne Ansichten. Doch der Witz der Rostocker Kunsthalle ist, dass sie so unperfekt ist, mal ästhetisch raffiniert, mal solides Werft-Handwerk. Sie sollte also nicht saniert, sondern allenfalls vorsichtig restauriert werden, eben wie die Neue Nationalgalerie in Berlin, in der selbst Pressspanplatten und Wandverkleidungen sorgfältig demontiert wurden. Nicht die Anforderungen des Hauses und der Jetztzeit sollten in Rostock im Vordergrund der Planungen stehen, sondern das historisch gewordene Gebäude mit all seinen Schrullen und Gebrechlichkeiten. Es ist ein Denkmal, wie es kein zweites gibt, ein Stück großartiger DDR-Geschichte. Genau als solches muss man es bewahren.