Gemeinsam mit zwei Kollegen habe ich Anfang dieses Jahres 18 neue Planeten entdeckt. Sie sind Hunderte von Lichtjahren entfernt und befinden sich außerhalb unseres Sonnensystems, in der Milchstraße. Für mich ist das bisher der größte wissenschaftliche Erfolg meiner Karriere.

Wenn ich Freunden davon erzähle, glauben sie, ich hätte in einer Sternwarte nächtelang vor einem Teleskop gesessen und den Himmel beobachtet. Tatsächlich saß ich die meiste Zeit tagsüber in meinem Büro vor dem Laptop, neben mir Papier und Bleistift.

Vor zehn Jahren schoss die Nasa das Weltraumteleskop Kepler ins All. Bis Ende letzten Jahres tastete es den Himmel ab, mit dem Ziel, Planeten zu finden, die der Erde ähneln und auf denen womöglich Leben existieren könnte. Für unsere Entdeckung haben wir Daten ausgewertet, die das Teleskop von 2014 bis 2018 sammelte.

Die Daten, insgesamt fünf Terabyte, sind für jeden Internetnutzer frei zugänglich. Man muss nur "Nasa Exoplanet Archive" googeln. Dort haben wir eine riesige Menge Daten heruntergeladen und dann einen Computercode geschrieben, einen Algorithmus, mit dem wir die Daten untersuchen können. Er ist das Herzstück unserer Arbeit und soll uns helfen, die richtigen Signale aus den Daten zu filtern.

Besonders interessiert hat uns die Helligkeit von Sternen. Manche Sterne haben nämlich Planeten, die wir von der Erde aus in regelmäßigen Abständen vor dem Stern vorbeiziehen sehen. Genau genommen sehen wir die Planeten aber nicht. Wir sehen nur, dass der Stern regelmäßig, zum Beispiel alle paar Wochen, für die immer gleiche Dauer von einigen Stunden zunächst um einen Bruchteil dunkler und dann wieder heller wird. Nach diesen periodischen Helligkeitsschwankungen der Sterne hat unser Algorithmus gesucht.

Mehrere Tage lang hat unser Algorithmus gerechnet, ehe er uns 34 Planetenkandidaten ausspuckte. Die 34 dazugehörigen Signale haben wir einer genaueren computerbasierten Analyse unterzogen. Nach mehreren Wochen blieben 18 Objekte übrig. Von ihnen können wir mit jeweils mehr als 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit sagen, dass es sich um einen Planeten handelt. Sie heißen zum Beispiel K2-32e oder K2-308b und wurden von der Nasa anerkannt. Genauso wie vorher bereits Tausende anderer Planeten, die durch das Kepler-Teleskop entdeckt wurden.

Auf unserem Computer existieren diese Planeten lediglich als Kombinationen statistischer Kennzahlen. Doch in Wirklichkeit sind sie ungefähr so groß wie die Erde und Milliarden Jahre alt. Auf einem dieser Planeten herrschen sogar Temperaturen, die denen auf der Erde ähnlich sind. Womöglich gibt es allein in unserer Galaxie Millionen anderer erdähnlicher Planeten, die wir noch nicht entdeckt haben. Es wäre wirklich ein krasser Zufall, wenn nicht einer von ihnen zumindest niedere Lebensformen hervorgebracht hätte.

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