Unsere demokratische Gesellschaft lebt vom Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind mit ihrem großen Schatz an Wissen, mit ihrem Antrieb, durch Innovationen die Welt zu verbessern, in ganz besonderer Weise befähigt und gefordert, die Menschen an ihren Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Dieser Austausch hat von jeher besondere Bedeutung für eine Gesellschaft, heute aber aus meiner Sicht eine noch größere als in der Vergangenheit. Deshalb will ich der Wissenschaftskommunikation jetzt einen neuen Schub geben.

Wissenschaft sollte sich auch am Gemeinwohl orientieren. Wissen verpflichtet. In diesem Sinne haben schon 1999 die Präsidenten der Wissenschaftsorganisationen im PUSH-Memorandum (Public Understanding of Science and Humanities) festgehalten, den Wissenschaftsdialog zu einer ihrer zentralen Aufgaben zu machen.

Das war die Ankündigung, den oft zitierten Elfenbeinturm zu verlassen. In Hochschulen und Forschungsinstituten ist seitdem viel geschehen. Gerade junge Forschende sind zunehmend bereit, ihre Erkenntnisse mit der Gesellschaft zu teilen. Damit dies ein selbstverständlicher Teil wissenschaftlichen Arbeitens wird, muss sich der begonnene Kulturwandel hin zu einer kommunizierenden Wissenschaft weiter fortsetzen.

Es mangelt nicht an Aufmerksamkeit. Menschen interessieren sich für Forschung, weil sie fasziniert und ihr tägliches Leben verbessern kann. Zudem befinden wir uns in einer Zeit des Wandels, in der Orientierung gesucht wird. Es herrscht Unsicherheit, die von manchen politischen Gruppierungen noch verstärkt wird, indem Fakten ignoriert oder schamlos umgedeutet werden. Umso wichtiger sind die Stimmen der Wissenschaft, die Behauptungen geraderücken, über den Erkenntnisstand berichten und diesen einordnen. In die Klimadebatte haben sich viele Wissenschaftler eindrucksvoll eingemischt und wegweisende Impulse geliefert.

Wir wollen, dass der Austausch zwischen Forschung und Gesellschaft in allen Wissenschaftsbereichen alltäglich wird. Dazu gehört, dass sich Wissenschaft selbst positioniert, in den Diskurs geht und sich ihrer wichtigen gesellschaftlichen Rolle bewusst wird. Dabei wissen wir: Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen schon heute unter großem Qualitäts- und Zeitdruck.

Anja Maria-Antonia Karliczek, Ministerin für Bildung und Forschung © Peter Frischmuth/​argus

Aber der Austausch ist im Interesse der Wissenschaft. Sie braucht das Vertrauen der Gesellschaft. Das Vertrauen der Menschen ist in einer offenen Gesellschaft die Voraussetzung für Akzeptanz und Anerkennung. Wissenschaftskommunikation lohnt sich zudem fachlich. Die Bürgerforschung ergänzt in manchen Bereichen bereits die "klassische" Forschung.

Es ist also an der Zeit, konkrete Anreize für mehr Kommunikation im Forschungsalltag zu geben, um den Dialog zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit noch zu intensivieren. Dies ist das Ziel eines Grundsatzpapiers meines Hauses, das wir nach einem intensiven Dialog mit allen Beteiligten erarbeitet haben. Die Wissenschaftskommunikation wird einen größeren Stellenwert bei der Vergabe von Forschungsmitteln haben. Wir möchten, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in ihren Projekten die Kommunikation von Anfang an mitdenken und Ressourcen dafür einplanen. Mit dem Science Media Center und dem Nationalen Institut für Wissenschaftskommunikation gibt es hervorragende Institutionen zur Unterstützung.

Wir wollen außerdem die Weiterentwicklung der Wissenschaftskommunikation begleiten. Wissenschaft im Dialog richtet mit unserer Förderung eine Plattform zur Evaluation ein. Zudem werden wir eine Denkwerkstatt #FactoryWisskomm ins Leben rufen. Ihre Aufgabe: Selbstverpflichtungen der Wissenschaft zu erarbeiten, Wissenschaftskommunikation endlich zur Chefsache in den Wissenschaftseinrichtungen zu machen und Empfehlungen an die Politik zu formulieren.

Gemeinsam wollen wir also einen Push für intensiveren Austausch geben. Wissenschaft hat für jeden Menschen und die Gesellschaft elementare Bedeutung.