Die Staatschefs der fünf größten Schwellenländer, kurz Brics genannt, haben sich vergangene Woche in Brasiliens Hauptstadt Brasília getroffen. Doch der Erfinder ihrer Versammlung sandte vergiftete Wünsche.

Die "Symbolkraft" solcher Treffen sei noch immer vorhanden, erklärte der britische Bankenökonom Jim O’Neill in einem Interview mit der BBC. "Aber würde es irgendwem auffallen, wenn die Brics-Treffen nicht mehr stattfinden würden?"

Jim O’Neill hatte 2001 einen wegweisenden Report für das US-Investmenthaus Goldman Sachs veröffentlicht, in dem er den Aufstieg großer Schwellenländer zu treibenden Wirtschaftsmächten vorhersagte. Später entstand ein lockerer Staatenbund: Die fünf Präsidenten von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika treffen sich bis heute einmal im Jahr.

Doch für Banker und Investoren haben sich die großen Wachstumshoffnungen, die O’Neill damals beschworen hatte, nicht erfüllt. Vor zehn Jahren wuchsen die Volkswirtschaften der Fünf-Länder-Gruppe beachtlich, inzwischen ist die Lage durchwachsener. China und Indien etwa werden nach neuen Vorhersagen des Internationalen Währungsfonds (IWF) im laufenden Jahr noch um gut sechs Prozent wachsen, die anderen drei Länder höchstens um rund ein Prozent. Wunder erwartet keiner mehr. "Die Wahrscheinlichkeit, dass arme oder Schwellenländer innerhalb von ein oder zwei Generationen zu Stars werden wie seinerzeit im ›asiatischen Wunder‹, ist gering", urteilte eine Gruppe von IWF-Ökonomen Mitte November.

Trotzdem nimmt die Bedeutung der Brics-Staaten für die Weltwirtschaft im Augenblick erheblich zu. Zum einen sind sie sehr groß geworden: Die Brics-Nationen erzeugen 23 Prozent des Weltsozialprodukts und sind für 17 Prozent des Welthandels verantwortlich. Vor allem aber wächst ihre politische Rolle. In der Ära weltweiter Handelskriege wandeln sie sich gerade zu einem wesentlichen Machtblock: zu einer Fünferkolonne gegen Donald Trumps USA.

Die Brics-Länder sind zwar allesamt eigenständige Staaten, die überhaupt keine gemeinsame Wirtschafts- oder Außenpolitik betreiben, aber trotzdem sprechen sie zunehmend mit einer Stimme. Das wurde in der vergangenen Woche beim Treffen in Brasília sehr deutlich. Der chinesische Präsident Xi Jinping und sein Gastgeber, der Brasilianer Jair Bolsonaro, standen dort häufig zusammen und lächelten einander freundlich an. Auf einem Pressefoto schien Bolsonaro sogar einen Bückling zu machen. Vor ein paar Monaten wäre das noch undenkbar gewesen: Bolsonaro – ein Kommunistenfresser mit einer Vorliebe für Militärdiktaturen – wetterte damals lauthals gegen die Chinesen. Im Wahlkampf hatte er sogar, bloß um zu provozieren, Taiwan besucht.

Obwohl China schon seit 2009 der wichtigste Handelspartner Brasiliens ist, kündigte Bolsonaro damals auch an, dass er lieber mit den USA gemeinsame Sache machen wolle. Der Brasilianer reiste sogar nach Washington, gab öffentliche Treuebekenntnisse zu Donald Trump ab und ließ sich auf einseitige diplomatische Zugeständnisse ein. Das lag durchaus im Interesse der USA, die sich mehr Einfluss in Südamerika wünschen, aber Trump konnte Bolsonaro umgekehrt nur wenig bieten. Der US-Präsident könnte sich zum Beispiel nicht erlauben, den US-Binnenmarkt für mehr Agrarprodukte aus Südamerika zu öffnen. Dann würde er sich mit seinen eigenen Wählern unter den Farmern anlegen.