"Sind das viele Ausländer!" Ja, ich glaube, das waren in etwa die Worte, die ich dachte. Im Bus Richtung Uni scherzten, schimpften und debattierten Menschen in Sprachen, die ich noch nie gehört hatte. Frauen mit Kopftüchern, Männer mit dunkler Haut, Kinder, die "anne" statt "Mama" schluchzten. Es war mein erster Tag in Darmstadt, der Stadt, in der ich 14 lehrreiche Semester später mein Diplomzeugnis entgegennehmen sollte. Ich, das Kind aus dem bayerischen Dorf. Heute weiß ich, dass mein Gedanke von damals rassistisch war. Wahrscheinlich war ich mehr Ausländer in Darmstadt als jeder andere im Bus. Die Irritation über die für mich ungewöhnlich aussehenden und sprechenden Menschen bekam ich nicht anders zu fassen als mit der Formel "Sind das viele Ausländer!".