Nicht immer ist Gewalt eine Lösung. Im Film Falling Down von 1993 etwa beklagt der sich in einen Amoklauf hineinsteigernde Michael Douglas, dass der liebevoll fotografierte Cheeseburger auf der Schautafel eines Schnellrestaurants so viel besser aussehe als jenes "traurige, jammervolle, zerquetschte Ding", das er nach der Bestellung aus der Pappschachtel fingert. Der Befund war richtig, und ein gutes Vierteljahrhundert später hat sich nichts geändert. Inszenierte Burger sehen nach wie vor schöner aus als echte. Konsumenten essen sie trotzdem. Oder gerade deswegen?

Instagram, Facebook und YouTube ermöglichen heute jedem, eine eigene Restaurant-Schautafel zu betreiben. Fotografiertes Essen ist längst fester Bestandteil von Social Media und als "Food Porn" eine Gattungsbezeichnung. So sehr werden Mahlzeiten für die Öffentlichkeit inszeniert, dass aus "Das Auge isst mit" oft ein "Vor allem das Auge isst" wird – mithin die Nahrung froh sein kann, wenn sie nach Abschluss eines aufwendigen Fotoshootings überhaupt noch verspeist wird und nicht zwischenzeitlich erkaltet oder verwelkt.

Bei den Betrachtern richtet Food Porn teils gewaltige Schäden an. "Bilder von Nahrungsmitteln erzeugen Hunger", stellte die Max-Planck-Gesellschaft vor Jahren fest. "Appetit kommt von App", schrieb auch Fachblatt der Lebensmittelbranche, weil sich mit dieser Erkenntnis Verkäufe steigern lassen. Doch wenn Bilder Hunger auslösen, machen viele Bilder großen Hunger – und Food Porn kann direkt in die Fettsucht führen. Das ist nicht schön. Wer der Nahrungsmittelindustrie eine Mitschuld am massenhaften Übergewicht zuweist, sollte seine Social-Media-Blase also nicht vergessen.

Essfotos anzusehen ist genauso nervig wie Hinweise darauf, dass jemand endlich wieder in New York ist oder gerade seinen Flug nach sonstwohin eingecheckt hat. Gewalt wird daran nichts ändern, zugegeben. Aber ärgern wird man sich ja noch dürfen.