Wer die Stadt Celle mit Gefängnis verbindet und das Jahr 1978 bewusst erlebt hat, erinnert sich womöglich noch an das "Celler Loch". Der niedersächsische Verfassungsschutz sprengte damals eine 40 Zentimeter große Öffnung in die Mauer der dortigen Justizvollzugsanstalt, um die Befreiung eines RAF- Gefangenenen vorzutäuschen. Die Aktion flog auf und zog einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss nach sich. Die damalige Panne hatte das Image dieser Behörde über Jahre beschädigt.

Für eine Öffnung des Gefängnisses ganz anderer Art als die damalige Geheimdienstaktion, die unter dem Decknamen "Feuerzauber" ablief, sorgt auch in diesem Jahr der Celler Verein "Schwarzes Kreuz Christliche Straffälligenhilfe e. V." mit ein wenig Weihnachtszauber.

Im Winter 1925 wurde diese Organisation vom damaligen Gefängnisdirektor und Reichstagsabgeordneten Johannes Muntau gegründet. Bereits zwei Jahre zuvor, so steht es in den Annalen, ermöglichte der liberale Menschenfreund den Laienhelfern der "Christlichen Gefangenenhilfe" den Zugang zu den 112 Gefängnissen, die ihm unterstellt waren. Seit 1999 firmiert der Verein nun unter dem Namen "Schwarzes Kreuz" und ist dem Diakonischen Werk angeschlossen. Bundesweit sammelt diese Straffälligenhilfe also wieder Weihnachtspakete für Inhaftierte. Bis zum 8. Dezember können sich Interessierte bei diesem Verein anmelden, die bereit sind, ein Päckchen zusammenzustellen. Ute Passarge ist Mitarbeiterin in dieser Institution, die aus 450 Mitgliedern besteht und sechs aktive Helfer beschäftigt. Sie sagt: "Besonders begehrt sind Dinge wie Kaffee, Schokolade oder auch ein paar nette Worte." Verwandte oder Freunde dürfen nämlich aus Sicherheitsgründen keine Päckchen zu Weihnachten in die Trakte schicken, und das nicht etwa wegen der berühmten Eisenfeile im Christstollen, eher schon wegen der Drogen, die hineingeschmuggelt werden könnten.

Im vergangenen Jahr konnte der Verein 1130 Päckchen an bundesdeutsche Gefängnisse vermitteln. Das ist Rekord, seitdem diese Aktion 1953 ins Leben gerufen wurde. Doch sie ist nur ein Teil der vielfältigen Aufgaben, die sich der Verein zum Ziel gesetzt hat. Übers Jahr organisiert er Briefkontakte, vermittelt Besuche von Menschen, die Strafgefangenen begegnen wollen und ihnen womöglich bei ihrer Wiedereingliederung in die Gesellschaft behilflich sind. Dass das "Schwarze Kreuz" sich auf das Evangelium beruft und in missionarischer Absicht handelt, mag bei Strafgefangenen mit anderen Religionszugehörigkeiten als übergriffig erscheinen. Doch die christliche Nächstenliebe ist in Celle nicht vom Glauben abhängig. Nach Verbüßung einer Haftstrafe hilft der Verein bei der Wohnungssuche und der Vermittlung von Sozialkontakten. Und Einsamkeit und Verzweiflung können an Weihnachten auch nichtchristliche Gefangene treffen.

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