Es war spät, das Spiel hatte längst begonnen, aber der Taxifahrer war mit seinem Smartphone beschäftigt. Irgendetwas schien kaputt zu sein, wir rollten eher, als dass wir fuhren, der komplette Verkehr Taschkents dröhnte links an uns vorbei. "One moment", sagte der Fahrer, während ich auf meine Uhr sah, "one moment!" Dann funktionierte offenbar alles wieder, er brabbelte mäandernde usbekische Sätze ins Mikrofon – und drehte das Handy plötzlich zu mir: "Sehr geehrter Herr", sagte eine Frauenstimme mit Oxford-Akzent, "möchten Sie morgen vielleicht die Sehenswürdigkeiten von Usbekistans Hauptstadt besuchen? Ich biete Ihnen einen guten Preis und 30 Jahre Erfahrung." Ich musste lachen, der Fahrer gab mir sein Smartphone und erfuhr anschließend via Google-Übersetzer, dass ich morgen weg sei, im Moment aber ein wichtiges Fußballspiel laufe, das in der Hotelbar gezeigt werde. "Ich liebe Fußball!", sagte die Frauenstimme kurz darauf, während das Taxi nun flog. "Messi ist der beste Spieler der Welt!" Ich lud den Fahrer zum Feierabendtee ein. Und zur zweiten Halbzeit.

Die Welt des Reisens hat sich in den letzten Jahren in vielen Bereichen verändert, nirgendwo aber so deutlich wie bei der zwischenmenschlichen Kommunikation über Sprachbarrieren hinweg. Als ich mit 16 das erste Mal ins Ausland reiste, büffelte ich vorher wochenlang mit einem Griechisch für Anfänger-Taschenbuch – und bin vor Ort an der Weigerung der Griechen gescheitert, meine einstudierten Sätze verstehen zu wollen. Später hatte ich ein OhneWörterBuch im Gepäck, bei dem man auf Symbole zeigt, um sich zu verständigen. Das hat gut funktioniert. Manchmal zu gut. In mongolischen Jurten sorgte die Methode für Heiterkeitsstürme. Und dafür, dass alle Nomadenkinder auf dem lustigen Fremden mit dem Bilderbuch herumturnten.

Dann kam das Smartphone. Und mit ihm Apps wie Google Translate, mit dem man mühelos zwischen 100 Sprachen hin und her springen kann. Wer dem Datenkraken nicht traut und befürchtet, dass die eigenen Konversationen mit Restaurantbedienungen in Kaschgar irgendwann von russischen Hackern im Darknet angeboten werden, findet Alternativen wie den Microsoft-Übersetzer oder iTranslate. Alle funktionieren – meistens – verblüffend gut.

Jetzt ist es natürlich nicht jedermanns Sache, auf Reisen ständig ins Smartphone zu quatschen, vom Datenverbrauch ganz abgesehen. Für solche Leute gibt es Sprachlern-Apps: Babbel, Rosetta Stone, Busuu oder Memrise führen einen mit Kursprogrammen in die Geheimnisse des Farsi oder des Indonesischen ein (und weil sie eine Sprachausgabe haben, liegt man mit der Betonung meist nur so weit daneben, dass das Gegenüber lächeln muss, einen aber versteht). Wer den langen Flug nach Sapporo nutzt, um zu üben, kann an der Hotelrezeption schon ein paar Sätze auf Japanisch sagen. Also: möglicherweise.

Die zweite Halbzeit war übrigens schlimm; am Ende hatte mein Verein mal wieder verloren. Noch schlimmer wurde alles aber durch den Taxifahrer, der das Geschehen via Smartphone mit Kommentaren wie "Die Stürmer treffen das Tor nicht" oder "Nächstes Mal ist es vielleicht besser" bereicherte. Manchmal vermisse ich die Zeiten, in denen man einfach sprachlos in einer Bar sitzen konnte.