Zwei Klappstühle, ein Campingtisch und vier Computer stehen im ansonsten leeren Wohnzimmer, dem Home-Office von Ali Alshweiki. Er stellt zwei Dosen Eistee auf das wacklige Tischchen und entschuldigt sich für die spärliche Möblierung. Er sei erst vor vier Wochen in seine neue Wohnung eingezogen.

DIE ZEIT: Herr Alshweiki, Sie sprechen fließend Englisch, Französisch und Arabisch. Welches ist Ihre Lieblingssprache?

Ali Alshweiki: Javascript. Die Programmiersprache half mir, hier in Vevey Fuß zu fassen.

ZEIT: Wie das?

Alshweiki: Ich habe an der Universität von Damaskus mehrere Programmiersprachen gelernt. Doch Javascript ist mir bis heute die liebste. Wegen dieser Sprache kann ich logisch und analytisch denken.

ZEIT: Und wie hat Ihnen das im Schweizer Alltag geholfen?

Alshweiki: Ich habe die französische Grammatik ziemlich schnell begriffen. Als ich vor sechs Jahren in Vevey als Flüchtling ankam, verstand ich zunächst kein einziges Wort.

ZEIT: Ach so.

Alshweiki: Mit Javascript habe ich auch meine Firma Rtime gebaut.

ZEIT: Was bedeutet der Name?

Alshweiki: Ursprünglich Refugee Time, denn ich möchte vorwiegend Flüchtlinge anstellen. Ich weiß, wie hart es für sie ist, in der Schweiz einen Job zu finden.

ZEIT: Warum sind Sie nicht bei Refugee Time geblieben?

Alshweiki: Alle rieten mir davon ab, der Name sei schlecht fürs Image. Rtime bedeutet jetzt Rotate Time.

ZEIT: Das Wort rotieren steht für die 3-D-Visualisierungen, die Sie programmieren?

Alshweiki: Genau. 3-D ist das nächste große Ding im Online-Shopping. Schon heute weiß man, dass Kunden mindestens drei Fotos eines Produktes sehen wollen, bevor sie es kaufen. Mit dem schnellen 5G-Internet wird es möglich sein, ein Produkt noch viel genauer auszuchecken.

ZEIT: Wie muss man sich das vorstellen?

Alshweiki: Mein erster Kunde ist eine Firma aus Magglingen, Delance, die machen Luxusuhren, die bis zu 60.000 Franken kosten. Auf der Website wird man künftig jedes Modell dreidimensional sehen und individuell verändern können. Die Käufer bestimmen selber, ob das Armband aus Silber oder Gold sein soll oder welche Farbe das Zifferblatt hat.

ZEIT: Sie mögen Schweizer Uhren?

Alshweiki: Oh ja!

ZEIT: Darf ich sehen, was für eine Uhr Sie tragen?

Alshweiki: Ach, das ist nur ein billiges Modell von Manor. Eigentlich träume ich von einer Rolex. Ich war an der Uhren- und Schmuckmesse in Basel bei ihrem Stand. Dort sah ich ein Video mit einer 3-D-Animation, die mich in den Bann zog, unter anderem weil sich die Zeiger auf der Uhr drehten. Ich ging nach Hause und schrieb noch am selben Abend ein Programm, mit dem ich die Zeiger der Uhren auf meiner Website ebenfalls zum Rotieren brachte. Das hat richtig Spaß gemacht.