Harsche Wortwahl ist vonseiten der FPÖ nichts, das überrascht. Dazu gehört etwa der Vergleich, den der niederösterreichische Landesrat Gottfried Waldhäusl nach dem blauen Wahldebakel bei der steirischen Landtagswahl am Sonntag zog: "Um wieder ernten zu können, muss das Feld erst von Unkraut und Steinen befreit werden."

Im Kern liegt Waldhäusl mit seiner Analyse richtig: Das Feld, auf dem sich die Freiheitlichen bewegen, ist übersät von Skandalen. Zugleich steuert die Partei auf einen Richtungsstreit zwischen dem radikalen Flügel um Klubobmann Herbert Kickl und dem gemäßigteren um Parteichef Norbert Hofer zu – ein Streit, der ausgerechnet durch den Konflikt der FPÖ mit ihrem Ex-Chef Heinz-Christian Strache vorerst kalmiert wird.

Der macht nämlich keine Anstalten, fortan Ruhe zu geben: Am Wochenende, zwei Monate nach seinem angekündigten Totalrückzug aus der Politik, trieb Strache die Partei mit Facebook-Posts und einem Auftritt auf einer Pro-Raucher-Demo wieder vor sich her. Zugleich sorgt die Ibiza-Affäre genauso wie die Ermittlungen rund um einen möglichen Deal zwischen der Partei und dem Glücksspielkonzern Novomatic in der Causa Casinos für laufende Schlagzeilen. Auch auf anderen Schauplätzen befindet sich die FPÖ in Erklärungsnot: Hier die Spesenaffäre, da der in Osttirol gebunkerte Goldschatz und die Spenden an parteinahe Vereine, dort ein weiteres Liederbuch mit rechtsradikalen und antisemitischen Texten.

Bei so vielen Schandmalen scheint die Wahlniederlage in der Steiermark nur eine logische Folge zu sein. Gut neun Prozentpunkte hat die FPÖ verloren und landete mit 17,5 Prozent auf dem dritten Platz hinter der ebenfalls verlustreichen SPÖ und dem Wahlsieger ÖVP. Auf den dritten Absturz in Folge nach der Nationalratswahl im September und der Landtagswahl in Vorarlberg droht im Jänner bei der Wahl im Burgenland bereits das nächste Fiasko.

Die FPÖ ist im Jahr 2019 an einem Ende angelangt – am Ende einer Ära, das nicht als ihr Ende missdeutet werden darf. Denn die Ergebnisse der letzten drei Wahlen deuten trotz aller Verluste mehr auf eine gefestigte ideologische Stammwählerbasis denn auf ein Verschwinden des österreichischen Rechtspopulismus hin. Offen aber bleibt: Wohin steuert die FPÖ?

Zum einen hängt ihre Zukunft weiter am Faktor Strache. Klar ist: Sein "Angebot" an die Partei, die Suspendierung aufzuheben und ihn wieder zum Parteichef – vielleicht auch nur in Wien – zu machen, hat die Führungsriege mehr erzürnt denn begeistert. In den Griff zu kriegen, so sieht man es mittlerweile in der Partei, wird der öffentlichkeitssüchtige Ex-Chef nicht sein. "Ihr fehlt mir. Wir sehen einander wieder. So oder so", kommentierte Strache unlängst den Zuspruch von treuen Fans. Gut möglich also, dass Strache zur Wien-Wahl im kommenden Jahr tatsächlich mit einer eigenen Liste antreten wird. Ein Bericht über ein Treffen zwischen Strache und dem Milliardär und Ex-Politiker Frank Stronach befeuerte die Gerüchteküche.

Die Freiheitlichen müssten an eine Liste Strache zwar einige schmerzhafte Prozentpunkte abtreten. Langfristig aber, so die innerparteiliche Überzeugung, werde man wie schon nach Knittelfeld und dem temporären Aufstieg des BZÖ wieder die Oberhand am rechten Rand gewinnen.