Überlesen kann man ihn nicht. Den Halbsatz, der eigentlich wie kein anderer die Schweizer Klimapolitik prägen sollte. In Artikel 2, Absatz c des Übereinkommens von Paris verpflichten sich die unterzeichnenden Staaten, dass "die Finanzmittelflüsse in Einklang gebracht werden mit einem Weg hin zu einer hinsichtlich der Treibhausgase emissionsarmen und gegenüber Klimaänderungen widerstandsfähigen Entwicklung".

Für die Schweiz, ihre Banken und ihre Versicherungen bedeutet das: Raus aus der Kohle, aus dem Öl, aus dem Gas. Raus aus den Aktien der Rohstofffirmen, der Ölmultis, der Gasproduzenten. Raus aus den Fonds, die solche Titel beinhalten. Raus aus dem Kreditgeschäft mit den CO₂-intensiven Branchen. Raus aus dem Dienstleistungsgeschäft für diese Unternehmen.

Aber der hiesige Finanzplatz tut sich schwer damit, die ingesamt 6,9 Billionen Franken, die er verwaltet, nachhaltig anzulegen. Gerade, wenn es um den Klimaschutz geht. Im Rahmen einer Studie des Bundesamts für Umwelt aus dem Jahr 2015 errechneten die Experten: Mit ihren Investitionen auf den Weltmärkten unterstützen die Schweizer Finanzinstitute eine Erderwärmung von mindestens 4 bis 6 Grad. Im Pariser Abkommen ist eine maximale Erwärmung von 1,5 beziehungsweise 2 Grad bis ins Jahr 2100 festgeschrieben.

Kein Wunder, landeten in einem Rating der amerikanischen NGO Rainforest Action Network, das die weltweit klimaschädlichsten Banken listet, die Großbank Credit Suisse auf Rang 14 und ihre Konkurrentin UBS auf Rang 25.

An diesem Dienstag versuchten Klimastreik-Aktivisten am Paradeplatz in Zürich der Credit Suisse einen offenen Brief zu überreichen. In Empfang nehmen wollte ihn dort allerdings niemand. Die Aktivisten fordern, die Schweizer Banken sollten ihre Gelder so investieren, dass die daraus entstehenden Treibhausgasemissionen in den nächsten fünf Jahren um jährlich mindestens 13 Prozent sinken; danach um mindestens acht Prozent pro Jahr. Damit soll der Schweizer Finanzplatz im Jahr 2030 auf netto null sein.

Unterstützt werden die jungen Klimaschützer von den grünen Gewinnern der nationalen Wahlen: "Die Finanzhäuser müssen beweisen, dass sie bis 2030 im Einklang mit den Pariser Klimazielen investieren und nicht länger die Ausbeutung fossiler Energien fördern", sagt die grüne Bundesratskandidatin Regula Rytz.

Auch die Banken selbst haben die Rolle erkannt, die sie im Kampf gegen die Klimakrise spielen könnten. Zumindest auf dem Papier. Seit 2014 haben sich einige Institute im Verband Swiss Sustainable Finance zusammengeschlossen. UBS-Verwaltungsratspräsident Axel Weber sagte kürzlich in einem Interview mit der ZEIT: "Ich glaube, dass die Finanzindustrie einen starken Beitrag leisten kann." Indem die Banken das tun, was sie besonders gut könnten: Finanzmittel dorthin leiten, wo sie am effizientesten eingesetzt werden. Die Schweizerische Bankiervereinigung verabschiedete im September ein Positionspapier zum Thema. Die Quintessenz der Bankenlobbyisten lautet: "Die Schweiz hat das Potenzial, zu einem weltweit führenden Hub für Sustainable Finance zu werden." Tatsächlich lassen die hiesigen Institute im weltweiten Vergleich doppelt so häufig Umwelt- und soziale Kriterien in ihre Geschäftsentscheide einfließen. Bei 20 Prozent der angebotenen Finanzprodukte sei dies heute der Fall, schreibt die Bankiervereinigung. Eine Studie des Center for Sustainable Finance and Private Wealth der Universität Zürich relativiert die Branchenangaben. Bei den 20 untersuchten Finanzinstituten aus der Schweiz und Europa, darunter die UBS, die Credit Suisse und die Deutsche Bank, verdoppelte sich zwar die Anzahl der durchschnittlich angebotenen nachhaltigen Anlagefonds. Nach wie vor steckt in ihnen aber lediglich ein Bruchteil aller verwalteten Kundenvermögen. Gerade mal 2,8 Prozent im Median. Einen der wichtigsten Gründe dafür verorten die Studienautoren in den Chefetagen: "Nachhaltigkeit, geschweige denn nachhaltiges Investieren, hat für das Topmanagement aller Banken keine Priorität." Allen Beteuerungen zum Trotz.