Wer wollte der CDU nicht schon alles den ersten Buchstaben ihres Kürzels absprechen! Der Kölner Kardinal Joachim Meisner, wegen ihres liberalisierten Ehe- und Familienbildes, der deutsche Kurienkardinal Paul Josef Cordes im Streit um die Stammzellenforschung. Letzterer warf der Union 2007 vor, sie betreibe "Etikettenschwindel mit dem C". Nun kamen dieselben Töne von Greenpeace. Bisher war die Organisation noch nicht dadurch aufgefallen, explizit christliche Werte zu verteidigen. Was hat sich denn da bloß radikal gewandelt: die Umweltschützer oder das C?

Als sich schon offensichtlich so gut wie alle Mitarbeiter der Union zum Parteitag nach Leipzig aufgemacht hatten, will Greenpeace also das rote C aus dem Logo der CDU in der Berliner Parteizentrale entwendet haben. Von der Buchstabenklauaktion gibt es direkt keine Aufnahme, dafür aber von der Abseilnummer an der kielförmigen Glasfassade, hinter der zunächst nur noch ein fettes DU prangte. Vom Dach aus ließen sich Fassadenkletterer herunter und entrollten ein Transparent, welches das verbliebene DU um den Zusatz "sollst das Klima schützen" ergänzte. Fertig war das neue quasibiblische Gebot. Vor dem Gebäude lief ein Aktivist als rotes C verkleidet umher. Das C soll nun auf Reisen gehen. Aber ist es das Original?

Den Grund für diese Aktion lieferte Greenpeace-Sprecherin Marion Tiemann gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters: "Die CDU gibt vor, die Schöpfung bewahren zu wollen. Doch mit ihrer destaströsen Klimapolitik zerstört sie unsere Zukunft und die Lebensgrundlagen künftiger Generationen. So hat die CDU das C in ihrem Namen nicht mehr verdient."

Bei all dem Schwund von Kirchenmitgliedszahlen und wachsendem Glaubensverlust verwundert doch, dass das C ethisch noch derart stark aufgeladen ist – so sehr, dass es noch als politischer Kampfbegriff rechts wie links taugt. Das C ist offenbar die letzte gültige Chiffre für Moral, auf die sich zwei gegensätzliche Welt-Errettungsmodelle in unserer Gesellschaft verständigen können. Eine bessere Steilvorlage werden die Kirchen nicht mehr bekommen. Warum nur haben sie diesen Ball nicht aufgenommen? Ein weiteres Armutszeugnis! Dass das C von Schwarz in Richtung Grün changiert, ist Papst Franziskus zu verdanken mit seiner Umweltenzyklika Laudato si und der Einberufung des Amazonasgipfels.

Die CDU reagierte auf die Aktion erstaunlich gelassen. Die Parteichefin twitterte: "So ein C für Christlichkeit und Nachhaltigkeit kann niemandem schaden – auch nicht Greenpeace. Wir leihen es gerne aus." Inzwischen verschwand auch das DU am Parteigebäude. Das originale C soll bereits, so berichtete es der Generalsekretär Paul Ziemiak, nach Leipzig mitgereist sein. Und auf dem Parteitag wurde beschlossen, es wieder im Programm zu stärken. War alles am Ende ein gemeinsamer Coup?

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