Das knapp zwei Minuten lange Video zeigt den Weg des Bewerbers vom stolzen Pfadfinder und erfolgreichen Unternehmer zum fürsorglichen New Yorker Bürgermeister, der sich um Schulkinder, Alte und Kranke kümmert. So begann diese Woche die Präsidentschaftswahlkampagne von Michael Bloomberg, nur zehn Wochen vor der ersten Vorwahl im Februar.

Für die begleitende einwöchige TV-Kampagne gibt der Gründer des gleichnamigen Finanznachrichtendienstes mehr als 30 Millionen Dollar aus. Das ist rund die Hälfte der Summe, die seine Konkurrenten zusammen in TV-Wahlwerbung gesteckt haben – im gesamten Jahr. Daneben will Bloomberg weitere 100 Millionen Dollar in Online-Anzeigen investieren, die Donald Trump kritisieren sollen, den anderen superreichen New Yorker, der seit 2017 im Weißen Haus regiert. Doch Bloombergs Vermögen übersteigt das des amtierenden Präsidenten um ein Vielfaches. Das Wirtschaftsmagazin Forbes schätzt es auf 52 Milliarden Dollar.

Bei Bloombergs Kandidatur geht es um mehr als die politischen Ambitionen eines 77-Jährigen. Sie steht für einen Klassenkampf, wie ihn die USA seit den Dreißigerjahren, der Zeit der Großen Depression, nicht mehr erlebt hat. Auf der einen Seite stehen vermögende Unternehmer wie Bloomberg und Trump, auf der anderen Seite Linke wie Elizabeth Warren und Bernie Sanders.

Besonders Warren löst bei den Reichen des Landes geradezu Panik aus. Erst im Sommer hat die demokratische Senatorin aus Massachusetts ein Gesetz mit dem Titel "Stoppt die Wall-Street-Plünderer" in den US-Kongress eingebracht, das umstrittene Finanzgeschäfte weniger lukrativ machen würde. Warren fordert außerdem eine Steuer in Höhe von zwei Prozent auf Vermögen von mehr als 50 Millionen Dollar und drei Prozent auf Vermögen von mehr als einer Milliarde Dollar. Das hat sie zum Feindbild der Geldelite gemacht. Angesprochen auf einen möglichen Wahlsieg Warrens, brach Leon Cooperman, ein Ex-Banker und Fondsmanager, bei einem Fernsehinterview in Tränen aus. Warren reagierte trocken – indem sie auf ihrer Webseite Kaffeetassen mit der Aufschrift "Milliardärstränen" anbot.

Bloombergs Kandidatur lässt die Vermögenden dagegen aufatmen: "Bloomberg ist rational, moderat und ein kompetenter Geschäftsmann. Er würde großartige Entscheidungen für das Land treffen", sagte Kyle Bass, ein texanischer Hedgefondsmanager, der in der Finanzkrise vor zehn Jahren mit Wetten gegen den US-Häusermarkt reich geworden ist, der Financial Times.

Bis Bloomberg ins Rennen einstieg, steckte die amerikanische Geldelite in einem Zwiespalt: An New Yorks Upper East Side, jener noblen Gegend um die Park Avenue, wählt man wegen ihrer liberalen gesellschaftspolitischen Ansichten traditionell die Demokraten. 2016 erhielt Hillary Clinton in Manhattan 86 Prozent der Stimmen, Donald Trump erreichte gerade einmal zehn Prozent. Doch Warrens und Sanders’ aggressiver Kurs gegen die Wall Street hat viele gut situierte Demokraten verprellt. Und Trump hat sich Finanziers und Unternehmenschefs in seiner ersten Amtszeit mit Steuergeschenken und seiner Deregulierungsoffensive empfohlen.

Aus Sicht der Tech- und Finanzmogule wäre Bloomberg eine Idealbesetzung

Normalerweise geht es bei den Dinnern in diesen Kreisen eher darum, bei 350 Dollar teurem Wagyu-Rind zu beweisen, dass man seit den Studientagen in Harvard oder Yale nichts an intellektueller Schärfe eingebüßt hat. Doch seit Trump Präsident ist und Warren ihn ablösen will, eskalieren Debatten schnell zum erbitterten Streit um die Frage, wer von beiden das kleinere Übel ist. "Die Stimmung ist derart polarisiert, dass man nicht einmal mehr gemeinsam zu Abend essen kann", klagt ein Fondsmanager. Mit Bloomberg, den viele persönlich kennen und der in der Nachbarschaft eine Stadtvilla besitzt, biete sich endlich eine Alternative.

Aus Sicht der Finanz-und Techmogule wäre Bloomberg als Präsident eine Idealbesetzung. Das zeigt schon das Werben von Amazon-Chef Jeff Bezos. Nachdem Bloomberg im März erklärt hatte, er werde nicht antreten, soll ihn Bezos persönlich angerufen und gebeten haben, sich die Sache doch noch einmal zu überlegen, berichtete das Onlinemagazin Recode.

Bloomberg gibt als Grund für seinen Sinneswandel auf seiner Kampagnenseite an, "weitere vier Jahre Donald Trump" verhindern zu wollen. Sollte Trump wiedergewählt werden, drohe Schaden, von dem sich das Land womöglich nie mehr erhole. Bloomberg sieht sich als unideologischer Pragmatiker, als "Problemlöser". Er verspricht, Jobs zu schaffen und gegen Waffengewalt vorzugehen. In der Vergangenheit setzte er sich auch für Klimaschutz ein. Nach dem Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen zahlte Bloomberg die von der US-Regierung zugesagten Beiträge aus eigener Tasche.